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Das Friedensblog sammelt Friedenstexte interessierter, engagierter moderner Autoren.

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Die Friedensautoren mit Texten

30. April 2012 1 30 /04 /April /2012 16:08

 Die Sammlung von Friedenstexten wird auf dem neuen"Friedensblog" fortgeführt. Hier gesammelte Texte werden, sofern die Autorem dem nicht ausdrücklich widersprechen, dorthin übernommen (kopiert). Zur Vorbereitung habe ich dort schon einmal eigene Texte eingestellt. Jeder Autor wird dort mit eigenem Label vertreten sein.

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31. Dezember 2011 6 31 /12 /Dezember /2011 14:17

1. Die Sammlung von Friedenstexten wird auf dem neuen "Friedensblog" fortgeführt. Hier gesammelte Texte werden, sofern die Autorem dem nicht ausdrücklich widersprechen, dorthin übernommen (kopiert). Zur Vorbereitung habe ich dort schon einmal eigene Texte eingestellt. Jeder Autor wird dort mit eigenem Label vertreten sein.

2. 2011 wird es wieder einen Friedenslesungswettbewerb mit einigen positiven Neuerungen geben. Die Infos hierzu finden sich unter auf demselben neuen Blog.

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31. Dezember 2011 6 31 /12 /Dezember /2011 14:13

 

Ich liebe

meine Mutter und meinen Vater

die mich lieben

Ich möchte sie behalten

 

Wer Haut hat

gebräunt

gebleicht

geschwärzt

ledrig

zart

schneeweiß

liebt

seine Mutter uns seinen Vater

 

Ich wünsche

keinem

dass er sie verliert

 

Deshalb

bin ich noch

ein Kind

 

Wenn ich

groß bin

werfe ich Bomben

auf alle

die nicht sind

wie ich

denn dann

darf ich das.

 

Aber eigentlich

bleibe ich

lieber

ein Kind

mit Mutter und Vater

wie andere.

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15. November 2010 1 15 /11 /November /2010 11:44

Yasukuni-jinja

 

Im Schrein des Friedlichen Landes

ehrt man Mörder

an fremden Völkern

als Helden 

in der Tradition der Schwerter

vor denen sich alle Arbeit beuge

 

Ein Herr zu Übergestern

sagt Sagt doch endlich Krieg

Auch in unserem Schrein

des Friedlichen Landes

sollen Mörder die ich schickte

wieder Helden heißen.

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12. November 2010 5 12 /11 /November /2010 15:50

 

Einsam ein Soldat im Graben kauert

seine Freunde sind schon alle tot.

Der Feind vergraben in den Dünen lauert

kaltes Blut färbt die Erde dunkelrot.

 

Er hat Angst und möchte nur nach Hause,

schließt die Augen und hält ganz still.

Der Krieg macht niemals eine Pause-

auch wenn er es nicht glauben will.

 

Vergangen ist die Zeit der Jugend

Mit 20 Jahren ist er längst ein Mann.

Sinnlos töten ist keine Tugend-

ein Gemetzel, das er nicht verstehen kann.

 

Und er hört sie immer wieder,

Waffen, die den Tod nur senden.

Kugeln prasseln auf ihn nieder,

wohin soll er sich jetzt noch wenden?

 

Er ist allein im Feld geblieben

die anderen sind schon längst besiegt.

Sie wurden in den Hinterhalt getrieben

was blieb, war hässlich kalter Krieg.

 

Die Hitze ist sein schlimmster Feind

und er darf sich nicht bewegen.

Vor seinem Graben hat man sich vereint,

um ihn des Todesstoß zu geben!

 

Er denkt an das ferne Heimatland,

ob er es jemals wiedersieht?

Hoffnung kämpft mit dem Verstand

zitternd, dass ein Wunder noch geschieht.

 

Plötzlich schweigt der Klang der Waffen

lautlos kehrt ersehnte Stille ein.

Hat er den Mut sich aufzuraffen

und zu fliehen im Mondenschein?

 

Zögernd er der Dinge harrt

den Tod vor Augen er stets hat.

Eine Fremde in der Erde scharrt

ihr Kleid ist schwarz, die Augen matt.

 

Endlich hat sie das gefunden,

nach ihrem Sohn hat sie gesucht!

Der Soldat hat sich überwunden

und begibt sich auf die Flucht.

 

Er läuft, so schnell ihn seine Beine tragen

zu einem nahen Hügel ganz aus Stein.

Kugeln in den Körper dumpf einschlagen-

erlösend stellt der Tod sich langsam ein.

 

Noch im Fallen schließt er Frieden

mit der Welt und auch mit sich.

Menschen führten immer Kriege

was er gesehen, war fürchterlich.

 

Eine Mutter weint um ihren Sohn

ihr blieb am Ende nur ein Brief.

Knappe Worte –welch´ ein Hohn:

„Es war Bestimmung, die ihn rief!"

 

Ein Krieg kann niemals Schicksal sein

Menschen haben ihn gemacht!

Er fordert sinnlos Opfer ein-

habt ihr darüber nachgedacht?

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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11. November 2010 4 11 /11 /November /2010 15:47

Ist es Krieg, der Macht verschafft

ist es Gier, die alles an sich rafft?

Ist es Krieg, der schnell entsteht

ist es Krieg, der Menschen quält?

 

Hat der Krieg die Welt besessen

hat der Mensch schon ganz vergessen

hat der Krieg denn eine Botschaft

hat der Krieg denn wirklich Kraft?

 

Wird Krieg etwas bewegen

wird Krieg uns Nahrung geben?

Wird Krieg denn niemals enden

wird Krieg uns fahle „Siege" spenden?

 

Wer wird den Krieg besiegen

wer wird den Hass weg kriegen

wer wird das Elend hören

wer wird den Schein zerstören?

 

Wenn nur einer hat den Mut

wenn nur einer löscht die Glut

wenn die anderen das dann sehen

wenn wir langsam stumm verstehen.

 

Dann ist der Krieg Vergangenheit,

dann ist der Frieden auch bereit!

Dann gibt es keine Waffen mehr

dann braucht es kein Soldatenheer.

 

Endlich ist es uns gelungen

endlich ist der Hass bezwungen

endlich haben wir gut zugehört,

dass Krieg, die Menschheit nur zerstört!

 

 

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9. November 2010 2 09 /11 /November /2010 15:46

 

Legt die Waffen nieder-

denn Töten ist nicht klug.

Im Frieden sind wir alle Brüder

„Nein" zu sagen, braucht ein wenig Mut.

 

Ich möchte keine Menschen töten

bloß weil Worte nicht mehr reichen

Jedes Volk hat seine eignen Nöte

jeder Kampf, gebärt ein Heer an Leichen.

 

Jetzt stehe ich da und erkläre laut,

dass ich nicht grundlos morden kann.

Der Mann in Uniform verärgert schaut-

„Hast du kein Pflichtgefühl als Mann?"

 

Ich muss das Vaterland beschützen,

dennoch möcht´ ich gerne wählen.

Möchte lieber der Gemeinschaft nützen

und gerne helfen, als sinnlos quälen.

 

Man ist empört- es gibt ein Ziel-

schon wieder einer der verweigert!

Ein Pazifist, der nicht kämpfen will

hat ihren Unmut schnell gesteigert.

 

Ein Rutenlauf liegt nun vor mir,

sie wollen mich nicht verstehen!

Ein Psychiater steht vor meiner Tür

und bedrängt mich in den Krieg zu gehen.

 

Ich möchte aber keine Waffe tragen,

weil ich nicht grundlos töten kann.

Sie beginnen förmlich mich zu jagen-

ich muss es tun, ich bin ein Mann.

 

Doch ich habe Mut – es gibt ein Nein -

und hoffe, dass es auch andre wagen!

Denn Frieden kann nur möglich sein

wenn wir keine Opfer mehr beklagen.

 

 

 

 

 

 

 

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8. November 2010 1 08 /11 /November /2010 15:41

Der kleine Krieg hat längst begonnen

ist schon lange unser Gast

hat die Straßen eingenommen

mit Verderben und viel Hass.

 

Der kleine Krieg hat längst gewonnen

hat die Kinder auch erfasst,

sie werden später als Soldaten kommen

mit Verderben und viel Hass.

 

Können Menschen nicht vergeben

wirst du nicht in Frieden leben.

Menschen haben Frieden längst vergessen

waren stets von Kriegen nur besessen.

 

Der kleine Krieg ist längst gegangen

wohlgenährt und ohne Hast

hält die ganze Welt gefangen

mit Verderben und viel Hass.

 

Der kleine Krieg ist groß geworden

hat sein Ziel schon längst erfasst-

der Menschen Schwächen auserkoren

mit Verderben und viel Hass.

 

Wo ist denn nun der Krieg geblieben

hat er sein Dasein längst verpasst?

Haben Menschen ihn vertrieben

in ihrem Leid- ganz ohne Hass?

 

Der große Krieg ist längst verschwunden

er musste gehen, kann nicht verstehen-

denn wir haben unsren Hass bezwungen

schaudernd Tod und Leid gesehen.

 

Menschen können nun vergeben

und du kannst den Frieden spüren!

Denn Menschen haben wohl gesehen,

dass sie ohne Krieg das Leben fühlen.

 

 

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25. Oktober 2010 1 25 /10 /Oktober /2010 11:17

 

Retours

 

Im August 2010

Der Wind packte den Wohnwagen auf dem kleinen Feld bei dem Städtchen Barcieux, einem Vorort von Paris, und ließ ihn, so schien es zumindest der neunjährigen Suna, zittern wie einen jungen Hund.
„Baba erzähl weiter!“
Die Großmutter warf einen besorgten Blick aus dem kleinen Plastikfenster.
„Solch eine Nacht, kleine Suna … mmh, das war es damals auch. Weißt, anfangs hatten wir uns nichts gedacht. Sie schienen sich ja nur um die Jiddisch-Leut zu kümmern.“
Sie zog das blaue gehäkelte Schultertuch enger, als ob sie frieren würde, nahm einen Schluck Tee aus der alten Tasse mit den vielen abgestoßenen Ecken.
„Porajmos, das Verschlingen hat man es später genannt. Oui.“
Sie streichelte Suna über die schwarzen Haare.
Das Mädchen sah ihre Oma neugierig an. Sie meinte in ihren Augen zu erkennen, wie sie in ihren Gedanken weit zurück flog, in die Zeit. Die Zeit, von der sie so selten sprach.
Suna drängte: „Bitte Baba!“
„Ach, das ist nichts für kleine Mädchen vor dem schlafen gehen.“

Suna zog einen Flunsch. Die Baba sah in die Runde, 3 Paar Kinderaugen hingen an ihren Lippen. Sie seufzte.
„Als der Mann mit dem Bärtchen an die Macht kam, da kam mit ihm unser Unglück. Es war eine Nacht wie diese. Oui. Wir hatten am Abend zwei Igel gebraten, ein wenig Salat aus dem Wald dazu. Papa hatte Brot im Dorf besorgt. Das hat geschmeckt, sag ich euch!“
Rupeno und Jos, die beiden Burschen, waren sehr still. Sie wussten um die Geschichte der Sinti und Roma, damals im besetzten Frankreich. Die Baba erzählte weiter.
„Papa hatte mir erzählt, die kleinen Igel, die wir in nasse schwere Erde gepackt hatten, würden gar nichts spüren, von der Glut, in der wir sie legten. Ganz im Gegenteil, sie würden einschlafen, sich sogar freuen, dass sie mit ihrem Körper etwas gegen unseren Hunger tun könnten.“
„Aber …“ begann Suna mit einem Einwand.
„Psch!“ winkte die alte Frau ab.
„Sie haben jedenfalls ausgezeichnet geschmeckt, mit den frischen Baguettes. Ich durfte sogar vom Wein trinken, mir wurde ein bisschen schwindelig.“
Wieder nahm sie einen Schluck von dem Tee, der schon lange nicht mehr dampfte.
„Den ganzen Abend hatten wir auf meine älteren Brüder gewartet, Papa hatte sie alle drei in die Stadt geschickt, zu sehen, ob sie nicht einige Nägel für die Hufe unseres treuen Kasimir, einem sehr alten Schimmel, der immer brav unseren Wagen gezogen hatte, besorgen könnten. Doch sie kamen nicht. Nie mehr sah ich sie wieder.“
Sie nickte traurig und Suna hielt den Atem an.
„Irgendwann stand euer Urgroßvater auf, trat mit seinen schweren Stiefeln gegen das Holz im Feuer, dass die Funken nur so stoben.
Sorgen hat er sich gemacht, wütend mumelte er Verwünschungen, die ich nicht verstand.“
„Sie waren in die Stadt gegangen, deine Brüder? Hat es denn im Dorf nichts gegeben?“ fragte Rupeno.
Die Baba schüttelte den Kopf. „Nein im Dorf fand an diesem Tag ein Fest statt, doch nicht deswegen gab es keine Hufnägel. Es war …“ Sie zögerte.
„Es war, weil sie uns nicht ausstehen konnten, keiner von denen. Und der Mann mit dem Bärtchen hat ihnen noch Mut gemacht. Immer. Wir wären nichts wert, Gesindel, Herumtreiber, Gewohnheitsverbrecher, Gemeingefährliche. Ich habe einmal mitbekommen, wie sie meinen Vater und meine Brüder, sie wollten damals, ein paar Monate vor diesem Abend, nur ein wenig Mehl kaufen, aus einer Gemeinde prügelten. Mich ließen sie nur zufrieden, weil ich noch so ein kleines Mädchen …“
Sie brach ab. Eine dicke Träne rann ihre faltige Wange hinunter. Suna beugte sich zu ihr hinüber und wischte sie sanft ab.
„Du brauchst nicht weiter erzählen, wenn du nicht magst, Baba.“ sagte sie und schluckte schwer. Sie wollte doch so gerne hören, wie es weiterging!

Nun hab’ ich schon begonnen.“
Die Oma lächelte. „Ist schon so lang her, mein Mädel. Schon so lang.“
Sie richtete sich ein wenig auf, holte Atem, um weiter zu erzählen.
“Euer Urgroßvater, mein Vater, Mihai hieß er, trat also gegen das Holz, die Funken stoben und flogen in die Nacht, wo sie sie im Ungewissen verloschen. Doch seine Söhne hat es nicht zurückgebracht. Ich habe es damals nicht verstanden, versteh es heut noch nicht. Niemand hat je erfahren, was aus ihnen geworden ist.“
Wieder wandte sie ihren Blick zu dem Fenster des Campingwagens. Bltze zuckten.
„Ein Gewitter gab es damals auch, ja. Ich hatte Angst, aber Papa hat mich nicht getröstet, er wartete auf seinen Andrej - auf Niko und Luka. Zornig war er.“ Sie nickte. „Und Mama war damals schon so lange tot, dass ich mich ihrer nicht erinnern konnte. Schließlich kroch ich in mein Schlafeck unter die Decke. Bei dem Donner fürchtete ich mich zwar, doch wenigstens war es trocken, in unserem Wagen.“
Sie wandt ihre Finger zu einem Knoten. Draussen setzte prasselnder Regen ein.
„Auch damals regnete es, wie aus Kübeln. Dies Geräusch auf dem Holzdach hat mich in den Schlaf gewiegt. Und der Wein tat das seine.“
Sie lachte leise, ein trauriges Lachen.
„Deswegen durfte ich ihn wohl trinken. Ich schlief ein, obwohl ich mir schreckliche Sorgen machte, um die drei.“
Sie senkte den Kopf. „Aufgewacht bin ich von einem furchtbaren Poltern an der Tür. Erst meinte ich, es seien die Burschen, die endlich heingekommen waren. Doch in der Dämmerung, die schon angebrochen war, konnte ich erkennen wie mein Vater beschwörend den Zeigefinger an die Lippen legte.
Wütende, laute Stimme klangen vor dem Wagen. Dann waren da plötzlich viele Männer, draussen. „Aufmachen! Polizei!“ haben sie gerufen.“ Die alte Frau ahmte die herrischen Rufe nach. „Plötzlich waren sie in unserem Wagen Sie schlugen meinen Papa, er hat sich nicht gewehrt. Wieder ließen sie mich nur zufrieden, weil ich noch so klein war.“
Ihre Finger krampften sich um die alte Tasse.
„Ich bin ohnmächtig geworden, so muss es gewesen sein. Denn als ich aufwachte, war da kein Papa mehr. Sie setzten mich mit vielen anderen aus unserem Clan, denn natürlich waren wir nicht alleine auf unserem Lagerplatz, in einen Zug.“
Ihre rechte Hand fuhr mit einer heftigen Bewegung auf den Tisch nieder.
“So. Genug für heute. Ihr geht jetzt schlafen!“
„Aber Baba!“ Suna war enttäuscht. Was ist dann passiert? Was passierte deinem Vater?“
Die Großmutter schüttelte den Kopf. „Das ist eine andere Geschichte. Vielleicht morgen.“

Suna erwachte gegen vier Uhr morgens. Sie hörte wütende Stimmen, draussen vor dem Wagen. Dann hämmerte jemand wild gegen die Tür. „Aufmachen! Polizei!“


©TD 082010 aus
Thom Delißen: Question authority

 

 

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23. Oktober 2010 6 23 /10 /Oktober /2010 11:15

 

In die Farben Afghanistans

Alle waren angespannt, auch der kleine, bebrillte Unteroffizier neben mir, dem sein Befinden in großen Tropfen von der Stirn perlte.

Der Abflug und die Landung. Die gefährlichsten Momente eines Fluges. Was für ein ausgemachter Hohn! Von dem, was nach der Landung, vor dem nächsten Start passiert, redet niemand. Heimkommen tun sie nämlich alle. Es ist nur eine Frage der Form. Mal in sehr kleinen Stückchen, mal komplett, mit einem verwunderten Ausdruck im Gesicht und einem kleinen Loch in der Stirn. Mal in einem Bodypack, mal in Zinkeimern.

Dann gibt es die anderen, Söldner ihrer selbst eigentlich, denen all das nichts anzuhaben scheint, die, wohl mit unerschrockener Unsterblichkeit gesegnet, unversehrt am Körper, die Seele schon lange tot, grinsend auf den harten Sitzen über die, die nicht mehr lächeln können, wachten. Die Wächter, die überlebt , die ihre Pflicht getan, ihr Soll dem eigenen Ego gegenüber erfüllt hatten. Stumpfe Hüter des Blutzolls.

Wieder andere, die neben ihnen, wachen ebenfalls über Zinkbehältnisse, unsichtbare allerdings.

Säuberlich verknäult in diesen Urnen, ganze Welten des Bewusstseins. Nicht dazu bestimmt, mit Erde überhäuft zu werden, nein kleberig und schleimig haftend an der Wirklichkeit, sie verhüllend, zur Fratze gestaltend.

Doch ich greife vor.

Zuerst stiegen wir aus, in ein Spiegelpanorama heißer Luft hinein, Staubkristalle inhalierend. Wie tumbe Enten, einer hinter dem anderen. Wie Ameisen, unsere Last auf dem Buckel und im Hirn schleppend.

Die Unterkünfte. Deutsche Ordentlichkeit.

„Kameraden! Wir stehen vor einer schwierigen Aufgabe!“

Ja, Freunde, Mitmenschen, Enten und Ameisen für die Sache des Todes.

Wir alle sollen ihn geben, den Tod. Sollen morden oder gemeuchelt werden. Die Hauptsache, der Sensenmann bekommt genug zu saufen, von dem roten, dickflüssigen, heißen Wein.

Die erste Patrouille. Zu Fuß. Hieroglyphen, unter Schädeln, turbanverhüllt, löchrigem, gelben Grinsen. Seltsam, wie sie wissen, dass wir Frischfleisch sind.

Ein helles Beige der Ort, fast gelb, nein weiß schon.

Lehmige Fassaden, die sich gegenseitig stützen.

Blaue Tüchertupfer und metallisch erdige Sturmgewehre an fadenscheinigen Kitteln schwingend.

Das Leben eines Mannes ist voller Schmerzen, sieh! Wir lachen drüber.

An den Feuern die Kinder. Braunäugig, einäugig, einarmig, dünnhäutig.

An den Brüsten der schalen Mütter Babys, ahnungslos und glücklich, sollte man meinen, die hineinwachsen in eine Welt des Trübsals, die schon ihre Eltern nicht mehr verstanden.

Was ist der Sinn? So schreien ihre Blicke.

Die Antwort sind ein paar Knaben. Ratatata! So spielen sie.

Ratatata! Die Essenz. Was sollte daneben nicht verblassen?

Der Wind hüllt unsere Uniformen ein, zerrt an Ihnen, als wolle er sie hinüberziehen, mitsamt dem erbärmlichen Inhalt, in die Wüste, die Gott für die Oberschlauen, die Überheblichen gedacht hat. Die Geröllfelder des Gewissens, die jeder zu durchqueren gezwungen ist, die niemals enden.

Göttergleich marschieren wir durch die Straße, das Verderben in den Händen, am Gürtel.

Olivgrüne Käfer, die ihre Kinder mit Scheiße füttern.

Eintopfmentalität im Land der Shishas. Die Augen rechts! Ab Null Uhr schießen wir zurück! Verteidigt euer Vaterland!

Braun ist sie, die Landschaft, braun von unsren schweren Stiefeln, braun und schmutzig rot. Die Luft erfüllt von Stahlpaketen. Wen triffts? Doch nur Abstraktes!

„Kameraden! Wir stehen vor einer schwierigen Aufgabe!“

Wohlan, so hat der Herr für mich beschlossen, nicht weilen soll er hier.

Keine zwei Tage verbringe ich in diesem hohlen Traum, dann explodieren alle Farben, scheinbar nur für mich.

Liege diesmal in dem Flugzeug, den rechten Fuß in Gips. Heimatschuss.

Doch meine Farbpalette, die bunte, hat man mit dunklem Grau getüncht, für den Rest der Zeit. Da helfen keine Orden.

Dunkles Grau.

 


@Thom Delißen 092009 aus Thom Delißen: Question authority

 

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