Freitag, 3. juli 2009

Zeit
in der Endlichkeit
wird zeitlos
auf Brückenweg
gesucht das Licht
hinter der Grenze
leben
das Leben
in der zeit
zwischen
den Gezeiten.

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.
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Freitag, 26. juni 2009
Du fängst den Wind ein
mit deinen Haaren
deiner Haut
der heiß aus den Bergen
in die Steinwüsten
hinunter weht
und ich spüre ihn
jetzt auch
schmecke ihn
halte dich fest
in meinen Armen
damit du ausruhen
vorübergehend
die dunklen sternlosen
Nächte
das vergossene Blut
vergessen kannst

mein Liebster

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats vor.
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Montag, 22. juni 2009

Im Zentrum der Wüste

 

 

Für Ali Amini in Iran

 

 

 

 

Ein Stein rollt den Berg hinunter in die Wüste.  

 

In der Wüste ist eine zweite Wüste, in der zweiten Wüste  

 

eine dritte, in der eine vierte Wüste ist usw.

 

   

 

In Wüste Nr. 1388 rollt ein Stein in einen Garten.  

 

Im Garten ist ein grünes Haus, im grünen Haus ist ein Garten,  

 

im Garten ist ein grünes Haus…  

 

 

 

Im Haus Nr. 1388 ist ein Teich.  

 

Im Teich erzählt ein Fisch eine lange Geschichte – 

 

 

 

Von Wüsten gefüllt mit Fischen  

 

Von Käfigen gefüllt mit Vögeln  

 

Von Fenstern gefüllt mit Blicken  

 

Von Straßen gefüllt mit Menschen –  

       

 

 

        Polizisten, Soldaten eröffnen das Feuer  

 

        zerschießen Himmel und Netze.  

 

 

        Was sollen wir tun?  

 

        Das Leben ist heilig.

 

 

 

 

Aus Netz Nr. 1388 regnet, hagelt, gewittert es.  

 

Die Vögel schlagen im Traum mit den Flügeln.  

 

Es weht ein mächtiger schwarzer Wind.  

 

 

 

Am Fuße der Berge stehen Häuser.  

 

Keine wirklichen Häuser, nur reale Fronten von unwirklichen Häusern,  

 

in die jeder schnell rennen kann,  

 

wenn der Gewehrhagel beginnt.  

 

 

 

Auf Straße Nr. 1388 hagelt es Fische.  

 

Die Fische schwimmen bergauf.  

 

Die Vögel erwachen.  

 

Die Mörder nehmen Platz.  

 

 

 

Steine fliegen.  

 

Stein Nr. 1389 fliegt über die Berge.  

 

 

 

Alle Vögel fliegen  

 

Alle Fische schwimmen  

 

Alle Fenster sind offen  

 

Alles ist an seinem Platz –  

 

 

 

Das Leben ist heilig.  

 

 

 

(nach einer Idee von Inger Christensen)

 

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats

 
Monika Jarju

 

 

 

 

In the Centre of Desert               

 

 

Dedicated to my friend Ali Amini in Iran

 

 

A stone is rolling down the mountain into the desert.

 

 

Inside the desert there is a second desert, in the second desert

 

 

a third, inside there is a fourth desert etc.

 

 

 

 

In desert no. 1388 a stone is rolling into a garden.

 

 

Inside the garden is a green house, inside the green house there was a garden,

 

 

inside the garden there was a green house…

 

 

 

 

In house no. 1388 there is a pond.

 

 

In pond a fish is telling a long story –

 

 

 

 

About deserts filled with fishes.

 

 

About cages filled with birds.

 

 

About windows filled with looks.

 

 

About streets filled with people –

 

 

 

 

       Police men’s, soldiers open the fire

 

 

       Shot the heaven and nets.

 

 

 

 

       What shall we do?

 

 

       Life is holy.

 

 

 

 

From net no. 1388 it rains, it hails, it thunders.

 

 

The birds flap in dream with the wings.

 

 

It blows a giant black wind.

 

 

 

 

In front of the mountains houses are set up,

 

 

not real houses, but real fronts of unreal houses

 

 

into which everyone can easily run

 

 

when the gun hail starts.

 

 

 

 

On road no. 1388 it hails fishes.

 

 

The fishes are swimming uphill.

 

 

The birds awake.

 

 

The murders take place.

 

 

 

 

Stones are throwing.

 

 

Stone no. 1389 is falling over the mountain.

 

 

 

 

All birds are flying.

 

 

All fishes are swimming.

 

 

All windows are open.

 

 

All takes the right place -

 

 

 

 

Life is holy.

 

 

 

 

(by an idea by Inger Christensen)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Montag, 22. juni 2009

Schwacher Zweifel

Wenn in Guantanamo
meine Freiheit und meine Demokratie
verteidigt werden

mit Kälte, Hunger und Erniedrigung
mit Folter also
und mit System,

wenn man Vätern und Söhnen
ihre Würde und einen Teil ihrer Seele nimmt
in manchen Fällen
noch weit mehr,

dann kommen mir Zweifel
an meiner Freiheit und meiner Demokratie.

Das mag für mich sprechen-
ich fühle mich schon etwas besser


oder besser:
nicht genauso schlecht


aber immer noch sehr schwach

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Sonntag, 21. juni 2009

Gewalt
Erzeugt Angst,
Angst erzeugt Gewalt.
Menschen, gebietet dem Irrsinn
Einhalt!

Welt
Im Wahnsinn;
Sich immer weiter
Steigernd im Ruf: Vergeltung.
Halt!

Wer
Auf Erden
Will die Rache?
Untaugliches Mittel der Vernunftlosen,
Rambomentalität!


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