Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Über Diesen Blog

  • : Blog für Friedenstexte
  • Blog für Friedenstexte
  • : Wettbewerbstexte als Demonstration gegen deutsche Kriegsbeteiligung
  • Kontakt

FAQ

Das Friedensblog sammelt Friedenstexte interessierter, engagierter moderner Autoren.

Suchen

Die Friedensautoren mit Texten

6. November 2008 4 06 /11 /November /2008 11:37
 Demos, das Volk, hatte vor langer Zeit den alten, weisen Frieden zu seinem Präsidenten gewählt. Der Frieden hatte während seiner Regierungszeit dafür gesorgt, dass das Volk die Ruhe hatte, zu säen, zu ernten, zu bauen und dergleichen mehr Dinge zu tun. Später rief der Frieden seinen Freund, den Handel ins Land. Der Handel organisierte den Tausch der Waren zwischen dem Volk und anderen Völkern. Als der Handel mit seiner Arbeit zufrieden war, rief der Frieden einen weiteren Freund zu sich. Diesen nannte man Wohlstand. Der Wohlstand wanderte im Volk umher und beschenkte jeden reichlich mit seinen Gaben.

So blieb es eine ganze Zeitlang. Das Volk und der Frieden waren es sehr zufrieden. Doch der Wohlstand rutschte auf seinem Stuhl hin und her und wurde unglücklich. Schließlich riet ihm der Handel eine Frau zu nehmen. Wenn sie ihn nicht zufrieden stellen würde, könnte sie ihn wenigstens soweit beschäftigen, dass er keine Zeit mehr hatte, unzufrieden zu sein. Also machte sich der Wohlstand auf die Suche nach einer Frau. Er fand endlich eine in den Bergen. Sie hieß Muße. Sie war hübsch und er fand sie gut geeignet, ihm die Langeweile zu vertreiben.

So kam der Wohlstand mit seiner Frau, der Muße, zurück zum Volk und stellte sie sogleich seinen Freunden, dem Handel und auch dem Frieden vor. Dem Handel war`s mit der Muße recht oder besser recht gleich; Hauptsache seinem Freund ging es wieder gut. Der Frieden hingegen machte ein betroffenes Gesicht und wollte sich nicht recht freuen. Als der Wohlstand ihn darauf ansprach, antwortete der Frieden, er könne sich gut vorstellen, dass die Muße gut zum Wohlstand passe, doch mit der Dauer, für das Wohl seines Volkes wenig geeignet war. Die Worte des Friedens hinterließen nur einen schwachen schattigen Schimmer des Zweifels auf der Seele des Wohlstands, denn für ihn war die Muße eine gute Frau. Sie vertrieb ihm die Zeit mit tausend Ideen und Spielereien und der Wohlstand war es sehr zufrieden.

Doch der Muße reichte dies nicht aus. Sie spazierte zum Handel und weiter zum Volk und zeigte ihnen, wie sie die Zeit mit Spielereien und Neckereien vertreiben konnte. Erst war es die freie Zeit, die dafür geopfert wurde. Doch die Spiele, die ihnen die Muße zeigte, waren so fesselnd, dass das Volk auch während seiner Arbeitszeit zu spielen begann. Schließlich stellte das Volk die Arbeit ganz ein und vertrieb sich von Morgens bis Abends die Zeit mit den Spielereien der Muße.

Kurze Zeit später erkrankte der Handel schwer und lag sterbenselend in seinem Bett, als der Präsident, der Frieden, ihn besuchte. Der Frieden erkannte, dass die Frau des Wohlstandes Schuld an dem Müßiggang des Volkes und somit an der Krankheit des Handels war. Er schritt zum Wohlstand, der faul auf seinem Bette lag und forderte ihn auf, die Muße, seine Frau, wieder fortzuschicken. Der Wohlstand schüttelte hierzu nicht einmal den Kopf und dachte nicht daran.

Der Frieden wandte sich an das Volk und predigte, nicht auf die Muße zu hören. Zuerst lächelte das Volk seinem Präsidenten milde zu, dann lachte es ihn aus und als er gar nicht damit aufhören wollte, über die Muße schlecht zu reden, begann das Volk wütend zu werden und zornig und zu werden und befahl seinem Präsidenten zu schweigen. Der Frieden wollte aber nicht aufhören. Im Gegenteil, seine Rede wurde lauter und lauter. Schließlich wurde es dem Volk über und es ging nach Hause.

Der Frieden überlegte, was er gegen die Muße tun konnte, denn er wollte sein Volk schützen, wie es sich für einen guten Präsidenten gehörte. Der Frieden setzte sich an seinen Schreibtisch und verfasste viele Schriften, unter anderem das Verbot für die Muße, das Volk während der Arbeitszeit zu belästigen. Er nahm seine Schriften, Verbote und Gesetze und schlug sie am Marktplatz an, für alle sichtbar. Das Volk las die Schriften des Friedens und erboste sich darüber. Keiner im Volk wollte sich die Muße verbieten lassen. Lieber wolle man den Frieden zum Teufel jagen.

Also ging das Volk daran und weil es eine Demokratie war, wählte es den Frieden als seinen Präsidenten ab. Weil man aber einen Präsidenten brauchte, schlug die Muße einen Verwandten von ihr zum Staatsoberhaupt vor. Es war der Krieg, ihr Onkel.

Dem Volk war es recht, ein Verwandter der Muße konnte kein so langweiliger und spießiger Präsident wie der Frieden sein, dachte es. Der Krieg zog ins Land und brachte seine Kompagnons mit, den Hunger, die Kälte, die Not und das Elend. Ja, anfangs war alles neu und anders und aufregend. Jeden Tag gab es eine neue Sensation und das Volk war begeistert.

Doch bald wurde der Zeitvertreib grausam und blutig und noch grausamer und noch blutiger und eines Tages floh der Handel und wenig später wurde auch der Wohlstand aus dem Lande vertrieben. Der Frieden war schon lange des Landes verwiesen und so blieb das Volk mit der Muße, ihrem Onkel, dem Krieg und seiner Bande allein zurück.

Die Freude über das Neue war schnell verblasst und Not und Elend begannen zu wüten. Auf dem Höhepunkt alles Schlechtem, rief der Krieg seinen besten Freund, den Tod zu sich und machte ihn zu seinem ersten und wichtigsten Ratgeber.

Da erkannte das Volk seinen Fehler und sehnte sich den Tag zurück, als Frieden, Handel und Wohlstand seine Ratgeber waren. Das Volk traf sich auf dem Marktplatz und besprach, was zu tun wäre. Es beschloss, den Krieg zu vertreiben und den Frieden zurückzuholen.

Gerade rechtzeitig, bevor der Krieg und seine Bande zu mächtig geworden waren, trieb das Volk sie wie eine Herde Vieh aus dem Land. Dann schickte man die Kinder zum Haus des Friedens und bat ihn zurückzukommen, damit er wieder ihr Präsident werde. Auch der Handel wurde zurückgeholt und zusammen mit ihm, kam auch der Wohlstand.

Und jedem Kind wird, sobald es verstehen kann, gesagt, dass es den Frieden achten und ihn, komme was das wolle, im Land zu halten habe.

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Slov ant Gali eingestellt
Kommentiere diesen Post

Kommentare

Slov 11/06/2008 17:34

Die Metapher, dass Krieg etwas mit der Muße zu tun hätte, lenkt vom Kern ab. Es sind in erster Linie wirtschaftliche Interessen, Macht, die dann mit Umhüllung versehen werden. Insofern stimmt die "Parabel" nicht.

Autoren & Texte