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Das Friedensblog sammelt Friedenstexte interessierter, engagierter moderner Autoren.

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Die Friedensautoren mit Texten

5. November 2008 3 05 /11 /November /2008 10:41

Frieden

 

Ob Frieden ist oder nicht

wird Abend für Abend

mit der Fernbedienung

auf dem Polstersessel entschieden.

 

Der Daumen, mit eingeübter Abwärtsbewegung,

wählt das lebendige Schlachtengemälde –:

 

Die Säbel-schwingenden Reitereskorten,

den Kriegsglanz der Imperatoren,

Kanonendonner und Pulverrauch;

Schlachtenlärm gleichfalls in der Version

von Flagggeschützen und Panzercorps.  

Auge und Ohr saugen sich fest

an den Kugelduellen der Schlitzohren

und Gangsterclans, am blutigen Showdown.

Sie lieben die Gruselparaden

von Killermonstern und Monstern mit Menschengesicht,

den schwarzen gepressten Schrei der Angst.

Sie delektieren sich an den Szenarien

apokalyptischer Katastrophen, zu Land, zu Meer,

Sie lieben den Krieg der Sterne, das Leuchtfeuerwerk  

explodierender Planeten.

 

Wer schrie da

nach Frieden?

 

Der Mensch,

dieser junge Wilde mit dem Kindergesicht,

mit den tausend Schreckensgesichtern,

mit dem dünnen Gewand von Zivilisation

auf den martialischen Schultern –

noch im Namen der Menschlichkeit

verbrennt er das Saatgut der Äcker,

das Saatgut der Städte, das lebende, das er selbst ist.

Der Mensch, dieses Raubtier mit sanfter

Krallen-bestückter Streichelhand,

mit der rauen, der harten, der klagenden,

der schmeichelnden, liebenden Stimme.

Der Mensch, dieser gutherzige,

dieser schreckensherzige unersättliche

irdische Raufbold

mit der Klinge im Gürtel, dem Textbuch

der guten Glaubenssätze unter dem Arm.

Der Mensch, der in allen Verwüstungen

unverwüstliche Wanderer

mit der verborgenen kosmischen Perle

im groben Wandergewand –-

 

Ist er

für den Frieden gemacht?

 

Wartet noch! 

Wartet noch ein Äon.

Vielleicht nur ein halbes, ein kleines,

ein schnell vorüber eilendes Minutenäon.

 

Erst wenn ein Amselton in der Frühe

uns mehr entzückt als die Kampfmusik  

aus glitzernder Klinge und Kampfmetall;

erst wenn das ausfliegende Lächeln aus einem Gesicht

uns heftiger anrührt und leuchten lässt

als der ausfliegende Pfeil aus dem Köcher

des Beutegängers mit lauerndem Blick,

sein Triumphschrei im Zeitalter-lange Spiel

von Unterwerfung, Gewalt und Tod --

 

Dann wollen wir sagen:

Wir haben den ersten probenden Schritt

auf die Straße des Friedens gesetzt.

Welch großes,

welch übermenschliches Abenteuer!

Ich schlage diesen Text als Friedenstext des Monats vor.

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Published by Slov ant Gali eingestellt
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