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Die Friedensautoren mit Texten

21. Februar 2009 6 21 /02 /Februar /2009 12:42

Es passiert nicht oft, dass einem Worte begegnen, die viel tiefer sinken als die sonstigen. Luise Rinsers´ Satz aus dem Roman „Mirjam" sank in mich – seelentief. Das Lesen, beinahe wie ein Erwachen, erinnerte mich an mein Grundbedürfnis mit dem ich wohl schon geboren wurde: Dem Warten auf das Friedenreich.

 

Ich bin nicht politisch. Meine Gefühle und Gedanken sind womöglich naiv, und doch sind sie der Teil der Wahrheit, die ich in mir erlebe. Macht sie das nicht wesentlich? Würden wir nur mehr über unsere eigene Wahrheit sprechen – kämen wir dem Friedensreich nicht wenigstens um ein Stückchen näher?

Ich glaube ich war und bin seit jeher mehr in meiner eigenen Seelenlandschaft als in der wirklichen Welt unterwegs und werde deshalb hier vermutlich auch nie vollkommen heimisch werden. Als große Perfektionistin enttäuscht mich oft die Welt in der ich lebe – am häufigsten aber scheitere ich an der Unvollkommenheit in mir selbst.

Je mehr Frieden ich sehne, desto mehr Abgründe tun sich in mir auf. Hässlichen Fratzen begegne ich da – ihre Namen lauten: Hass, Neid, Gier.

Aber ich will sie nicht mehr im Außen bekämpfen. Zu lange habe ich das getan. Habe zu lange an die Allmacht meines kleinen „Ich-will-aber-Willens" geglaubt. So habe ich mir über Jahre hinweg einen Scheinfrieden aufrechterhalten, eine wunderschöne Seifenblase. Aber meine Seele war ängstlich eingemauert, meine Grenzen verhärtet, unlebendig, abgetrennt von ihrem anderen Teil: meinem Schatten - der irgendwo weit draußen sein Unwesen trieb.

Nun ja, manchmal habe ich dann für kurze Zeit so etwas wie Frieden in mir erlebt, für den ich so hart aus einer namenlosen Angst heraus gekämpft hatte – aber es war nicht der Frieden, den ich seit meinem ersten Atemzug an sehne.

Ich glaube ich ahnte, dass ich draußen in der Welt irgendwo noch Hunger leide, es mich noch immer dürstet nach klarem, frischem Wasser, ich irgendwo dort draußen noch nicht offen zu meiner Meinung stehen kann, ohne verfolgt zu werden. Ich ahne, dass genau „ICH" - irgendwo dort draußen und gerade jetzt in diesem Augenblick - durch einen tödlichen Schuss zu Boden sinke.

Ich habe noch viel zu wenig gelernt, meine Unvollkommenheit macht mich leiden. Ich weiß es fehlt mir an Liebe, an Hingabe, an Vertrauen. Zu sehr hat mich deren Gegenspieler – die Angst – in ihrer Hand.

Aber ich weiß ich muss sie einreißen, die Mauer die mich von anderen trennt. Ich werde niemals ganz sein ohne meine Welt dort draußen. Ich werde den Frieden den ich sehne nur Hand in Hand mit meinem Nächsten erleben können - und nur dann wenn ich meine Ängste konfrontiere und anstelle derer mit aller Liebe die ich habe und dem letzten Körnchen Vernunft das in mir ist den Friedensweg antrete.

Nur aus Angst heraus entsteht tödlicher Kampf, entstehen zu harte Grenzen, wo keine sind. Nur die Liebe heilt. Das glaube ich zu wissen. Das ist meine Wahrheit. Nach ihr will ich leben und handeln.

„So bleibe ich denn und bin nichts mehr als das Warten auf das Friedensreich"

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

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Published by Slov ant Gali eingestellt
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