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Das Friedensblog sammelt Friedenstexte interessierter, engagierter moderner Autoren.

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Die Friedensautoren mit Texten

22. Februar 2009 7 22 /02 /Februar /2009 12:55

1

Lea, hochschwanger, näht, Evi liest Zeitung.

EVI Da! Das könnte was sein: Managementsekretärin mit IHK-Zertifikat. Bei Mensis. In der Brunnenstrasse - da könnte ich sogar mit dem Fahrrad hin!

LEA Ob die dich nehmen?

EVI Warum nicht?

LEA Was glaubst du wie viel sich da bewerben!

EVI Du redest schon so wie die vom Arbeitsamt. Für die gelt ich auch als nicht mehr vermittelbar.

LEA Das hab ich nicht gemeint!

EVI Aufn Kopf zu hat sie’s mir gesagt, dass ich zu alt bin. Kommst dir vor wie ein Stück Gammelfleisch! Soll ich die nächsten Jahre bis zu meiner Rente rumsitzen und Däumchen drehen?

LEA Probier’s.

EVI Natürlich probier ich’s. Ich probier alles!

LEA Warum spannst du nicht einfach mal ein paar Wochen aus?

EVI Ich näh noch die Vorhänge fürs Gästezimmer, das hab ich dir versprochen. Und wenn du willst, verlegen wir dort auch Laminat.

LEA Warte mal ab, wenn Robby da ist, das soll der mitentscheiden.

EVI Ich würd so gern wieder arbeiten. Komm mir ohne Anstellung so nutzlos vor! So überflüssig!

LEA Was soll ich denn da sagen?

EVI lacht Du sorgst immerhin für den Nachwuchs! Dass die Deutschen nicht aussterben!

LEA Der Nachwuchs ist tagsüber im Kindergarten. Lacht Ich hab dir noch gar nicht die Geschichte von Fräulein Fischer und unserm Jonas erzählt! Die Frau Deck hat ihn doch am ersten Tag auf den Schoß genommen und an ihren Busen gedrückt, weil er doch soo geweint hat und gleich wieder nach Hause wollte. Und die hat ja ganz schön Holz vor der Hütte, die Frau Deck! Da hat Jonas sie gefragt: Was hast du denn da? Das ist mein Busen, hat sie gesagt. Und am nächsten Tag hatte die Frau Deck Urlaub, da ist unser Jonas einfach Fräulein Fischer aufn Schoß gekrabbelt: Hast du auch einen Busen? - Ja, hat sie gesagt. Und er: Kannst du den morgen mal mitbringen?

EVI Unser Jonas!

LEA Kannst du den morgen mal mitbringen!

EVI lacht Und jetzt kann er es sonntags kaum erwarten -

LEA Dass Montag ist und er wieder in seinen Kindergarten darf!

EVI Wenn erst das Kleine da ist, hast du Arbeit genug.

LEA Dann bin ich froh, wenn du mir unter die Arme greifst.

EVI Die ganzen letzten Jahre immer nur funktionieren, funktionieren und schnell, schnell! Rums! Von heut auf morgen will niemand mehr was von dir wissen! Auf einmal sind alle deine Fähigkeiten, deine Erfahrungen wertlos. Heut Nacht hab ich geträumt, ein Raubtier wär hinter mir her. Ich renn wie um mein Leben. Mein Herz bummbert! Ich hör wie die Bestie immer näher kommt. Hechelt. War das furchtbar! Bin schweißnass aufgewacht.

Pause

LEA Und ich hab von meinem Elternhaus geträumt. So wie’s früher war, vor dem Umbau. Erst dachte ich, es sei unser Rathaus, aber dann hab ich’s eindeutig erkannt an den blauen Fensterläden. Und von links oben nach rechts unten ging ein Riß durch die ganze vordere Häuserwand.

EVI Ein Riß durchs Haus? Verrückt. Pause Klar, zuerst hab ich auch gedacht, der Druck ist weg, jetzt kann ich mal ein paar Wochen abhängen. Durchschnaufen. Pfeifedeckel! Wenn ich jetzt nicht bald was kriege, bin ich endgültig aus dem Rennen!

LEA Warum suchst du dir nicht eine ehrenamtliche Tätigkeit?

EVI Was nicht bezahlt wird, gilt nichts. Und schließlich muss ich ja auch von was leben!

LEA Ich hab mit Robby gesprochen, wir wollen dir was geben für die Renovierungsarbeiten.

EVI Kommt ja überhaupt nicht in Frage!

LEA Ohne dich wär uns das Haus doppelt so teuer gekommen.

EVI Ich nehm von euch kein Geld, Lea. Das Renovieren hab ich gern gemacht, das hat mir über die schlimmste Zeit hinweg geholfen.

LEA Wenigstens Taschengeld!

EVI Ich wohn bei euch umsonst, das ist Bezahlung genug!

LEA Robby betont immer, wie beruhigend das für ihn ist, dass Jonas und ich nicht alleine im Haus sind.

EVI Von Zeit zu Zeit steigt so ein Groll in mir hoch. Ich versuch dagegen anzukämpfen, lenk mich ab, fang an, irgendwas zu putzen, was weiß ich... Aber es gibt einen Punkt, da muss ich mich beherrschen, dass ich nicht laut aufschreie, ich komm nicht dagegen an! Da würd ich am liebsten auf was eindreschen, in was dreinschlagen. Lacht Dann stell ich mir vor, ich wär Robby, und baller wild um mich rum: ratatatatata!

LEA Was?

EVI Du wirst lachen, das hilft mir.

LEA Der ballert doch nicht rum!

EVI Was macht er dann?

LEA Na, hör mal!

EVI Ein Soldat schießt - dafür ist er ausgebildet!

LEA Schießen und Rumballern sind zwei Paar Stiefel.

EVI Das Resultat ist dasselbe.

LEA verärgert Ich glaub nicht, dass Robby schon mal einen Menschen erschossen hat! Hat sich in den Finger gestochen Aua!

EVI Fragst du dich nicht auch manchmal, was die da unten eigentlich treiben?

LEA Er baut Kindergärten auf, Krankenhäuser, die Demokratie...!

EVI Ja, ich weiß. Manchmal bewacht er auch Mohnfelder oder spielt mit Totenschädeln...

LEA entsetzt Evi!

EVI Was wissen wir denn schon, Lea? Warum werden unsere Telefongespräche einfach abgebrochen? Jedes Mal, wenn wir nachfragen, ob sie kämpfen müssen, ob’s gefährlich ist...

LEA Sie dürfen sich gar nicht an den Kämpfen beteiligen! Das wär ja ein Verstoß gegen das Grundgesetz und gegen die Genfer Konvention!

EVI Mein Gott! Was verstößt nicht alles gegen das Grundgesetz und die Genfer Konvention!

LEA Sag mal, spinnst du jetzt? Fehlt nur noch, du behauptest, sie schänden Leichen und vergewaltigen Frauen und Kinder! Sag doch gleich, sie sind Mörder!

Pause

EVI leise Wenn, dann Mörder auf Befehl.

LEA So denkst du über deinen eigenen Sohn? Seit wann denn das?

EVI Nie mehr wieder im Leben nimmt er ein Gewehr in die Hand, lieber lässt er sich erschießen, hat mein Vater nach dem Krieg gesagt. Nie mehr wieder! Was hab ich denn in Russland verloren! Was haben die mir denn getan?

LEA Robby ein Mörder! Sagst du ihm das auch ins Gesicht?

EVI Ich werd mich hüten.

LEA Was hätt er denn damals machen sollen?

EVI Was hab ich denn für einen Grund, die abzuknallen? Auf die wartet doch daheim auch eine Frau oder eine Mutter.

LEA Ich war schwanger, er arbeitslos –

EVI Dass der freiwillig zum Militär gegangen ist!

LEA Geht das wieder los!

EVI Ein Glück, hat das sein Vater nicht mehr erleben müssen. Ein Glück!

LEA Grad eben hast du doch selber noch beklagt, wie furchtbar es für dich ist ohne Arbeit! Und du bist fünfzig! Ihn hat’s schon mit dreißig erwischt!

EVI Ja. Stimmt. Was knittelst du da eigentlich?

LEA Ich trenn die Naht auf.

EVI Das ist doch ein Sommerkleid!

LEA Ja und?

EVI Hast du vor, es anzuziehen, wenn er kommt?

LEA Vielleicht?

EVI So einen dünnen Fetzen im Winter? In den passt du doch mit deinem Bauch gar nicht mehr rein!

LEA Abwarten.

EVI Holst dir bloß eine Erkältung!

LEA Das ist doch meine Sache, oder?

EVI Du hast doch so viel andere schöne Kleider.

LEA Red mir nicht immer in alles rein!

EVI Oh, Verzeihung!

LEA Soll jeder grad machen, was er will.

EVI Das ist doch dein Verlobungskleid, oder?

LEA Das er mir damals zum Geburtstag geschenkt, ja.

EVI Deshalb!

Pause

LEA Mir gefällt er in seiner Uniform.

 

2

EVI Hör mal zu: Witwe erhält falsche Leiche. Nach dem Tod eines australischen Soldaten im Irak ist versehentlich ein Sarg mit der falschen Leiche in die Heimat überführt worden. Die Witwe habe daraufhin direkt beim Regierungschef ihrer Empörung Luft gemacht, meldeten australische Medien. Der Verteidigungsminister konnte zunächst nicht erklären, wie es zu der Verwechslung kommen konnte. Die Särge seien offenbar in Kuwait von einem Privatunternehmen vertauscht worden, das für die Überführung zuständig ist. Der 25-Jährige war in der vorigen Woche in Bagdad gestorben, als sich beim Reinigen seiner Waffe versehentlich ein Schuss löste.

LEA Was soll das?

EVI Was soll was?

LEA Warum liest du mir das vor? Warum kannst du nicht aufhören zu sticheln?

EVI Wieso sticheln? Ich wollte dir doch nur…

Telefon klingelt. Lea geht zum Telefon und hebt ab.

LEA ins Telefon Ja? – Hallo Anja! - Wie? - Was? – Was soll nicht wahr sein? Drück dich doch mal deutlicher aus!

EVI Wer?

LEA zu Evi Anja Deck. Ins Telefon Ich kapier gar nichts! Ich versteh kein Wort! – Nein. Wann? – Ja, mach ich. Legt auf.

EVI Was wollte die denn?

LEA Ich soll sagen, dass es ihm gut geht.

EVI Wem?

LEA Ich soll den Fernseher anstellen.

Haustürklingel.

EVI schaut zum Fenster hinaus Da steht einer von der Bundeswehr. Ich mach auf. Ab.

STIMME AUS DEM FERNSEHER Bei dem Fahrzeug, das durch die Explosion getroffen wurde, handelt es sich um einen Geländewagen vom Typ Wolf der neuesten Variante, der über eine spezielle Schutzausstattung verfügt. Die Hintergründe des Selbstmordanschlages sind unklar und werden derzeit untersucht. Die vier toten und 29 verletzten deutschen Soldaten werden mit einem als "fliegende Intensivstation" umgerüsteten Airbus der Luftwaffe nach Deutschland gebracht.

EVI schreit draußen entsetzt auf Nein!

LEA fällt zurück in ihren Sessel.

 

3

Lea - nicht mehr schwanger - und Evi, beide in Tauerkleidung.

EVI sehr leise Bin ich froh, dass wir das hinter uns haben.

LEA ebenso Ja. Ich hab immer noch die Trommel im Ohr.

EVI Das hat gedröhnt in der Halle!

LEA Wie ein Maschinengewehr.

EVI Als wollten sie sie damit endgültig ins Jenseits befördern.

LEA Als der Bus vorfuhr mit den Särgen –

EVI Der Bus! Ich hab gedacht, gleich explodiert er wieder!

LEA Das hab ich auch gedacht! Es war ja auch der selbe!

EVI Der selbe nicht.

LEA Doch! Sie haben ihn ja immer wieder im Fernsehen gezeigt. Haargenau derselbe in dem es passiert ist!

EVI Du meinst der gleiche! Der gleiche Typ!

LEA Der, der explodiert ist!

EVI Der explodiert ist, ist explodiert! Futscht! Aus! Den gibt’s nicht mehr, der kann nicht mehr vorfahren!

LEA Natürlich kann der nicht mehr vorfahren! Das weiß ich auch! Pause Hätten die nicht ein anderes Fahrzeug nehmen können?

EVI Als ich die gesehen hab, die Verletzten, diese Krüppel, hab ich gedacht, Menschenskind, warum habt ihr überlebt und Robby hat dran glauben müssen!

LEA Ja. Warum grad er?

EVI Wie die so hinter den Särgen hergehumpelt sind... eine Wut hab ich auf die gekriegt!

LEA Die können ja nichts dafür.

EVI Weiß ich ja! Flüstert Trotzdem hab ich die ganze Zeit denken müssen: Hätt’s doch bloß euch erwischt! Euch anstelle von Robby!

LEA nickt Für mich war das Schlimmste der lange Gang an diesen Bildern entlang.

EVI Die großen Fotografien auf den Staffeleien!

LEA Bei jedem hab ich gebetet: Lieber Gott mach, dass Robby nicht dabei ist! Und wie ich zur letzten Staffelei komm, kann ich das Gesicht nicht erkennen, weil die Sonne so grell drauf scheint, ich seh nur einen hellen Flecken, der mich geblendet. Ich geh ganz nah ran an die Staffelei, und da guckt er mich an schluchzt mein Robby! Mit seinen großen blauen Augen und seinem schönen Lächeln. In seiner Uniform. Ich hab gedacht, ich fall um, ich fall in Ohnmacht!

EVI Es war alles so...

LEA Lieblos.

EVI Ja, so unpersönlich.

LEA Als er mich am Flughafen das letzte Mal vor dem Abflug in den Arm nahm, hat er am ganzen Körper gezittert.

EVI Das hast du mir gar nicht erzählt!

LEA So ein großer, starker Mann und zittert, hab ich gedacht!

EVI Gezittert hat er?

LEA Ich hätte ihn nicht wegfliegen lassen dürfen!

EVI zart Lea!

LEA Warum hab ich ihn denn nicht zurückgehalten!

EVI Lea!

LEA weint leise Auf die Kleine hat er sich so gefreut!

EVI Ja. Und jetzt hat er sie gar nicht mehr gesehen.

LEA schluchzt.

EVI legt den Arm um sie Lea, man hat immer ein schlechtes Gewissen, nachdem einem ein lieber Mensch weggestorben ist.

LEA wütend Weggestorben? Umgebracht haben sie ihn! Heimtückisch! Warum nur? Ich kapier’s nicht! Er hat ihnen doch gar nichts getan! Er hat ihnen doch nur helfen wollen! Diese Bestien! Warum schaffen die das nicht, denen endlich das Handwerk zu legen? Abknallen sollen sie sie endlich! Alle zusammen! Mein Gott, wenn’s dich gibt, warum lässt du das alles zu?

EVI Beim Kurti ging’s mir auch so. Bis heute werf ich mir vor, dass ich die Nacht nicht bei ihm geblieben bin. Die Ärzte haben halt gesagt, das kann noch Tage dauern, und ich war so hundemüd! Fünf Nächte hab ich an seinem Bett gesessen, die eine Nacht hätte ich doch noch durchhalten können! Reicht Lea ein Taschentuch Soll ich uns was zu Essen machen?

LEA schnäuzt sich Ich krieg nichts runter.

EVI Einen Tee?

LEA schnieft Hast du auch den Eindruck gehabt, dass die nicht wollten, dass wir uns mit den anderen Familieangehörigen unterhalten?

EVI Ja. Einmal bin ich auf die Frau zu, die so furchtbar geweint hat, weißt du, die allein da war, die Blonde. Da hat mich der Offizier zurückgeschubst, richtig weggestoßen hat der mich von ihr!

LEA Was? Warum denn?

EVI Ich hab einen Hass gekriegt auf den!

LEA Ich hab auf alle einen Hass gekriegt! Auf alle, die da standen in ihren sauberen Uniformen!

EVI Und die Politiker mit ihrem Geschwafel! Die haben ihn auf dem Gewissen! Sollen die doch mal hin! Nur für einen Tag! Aber nicht nur zum Händeschütteln! Sollen selber mal Soldat spielen! Oder ihre eigenen Söhne opfern! Ich hab so einen Zorn! So einen Zorn! Das muss doch nicht sein! Für was denn? Für wen?

LEA Wenn er wenigstens im Kampf gefallen wär!

EVI Tot ist tot.

LEA So sinnlos!

EVI Friedensmission!

LEA Ich flieg hin.

EVI Wohin?

LEA Dahin wo es passiert ist.

EVI Bist du verrückt?

LEA Ich will dahin, wo er zuletzt war. Ich will’s begreifen können, verstehst du!

EVI Hast du keine Angst?

LEA Ich flieg hin!

 

4

Lea am Computer, Evi im Nachthemd.

EVI Lea, weißt du, wie spät es ist?

LEA Ja, lass mich.

EVI Morgen bist du wieder ganz geschafft!

LEA Ich mach gleich Schluss.

EVI Um sechs schreit die Kleine!

LEA Ich bin da eben auf ein Blutbad gestoßen, du glaubst gar nicht –

EVI Nachher hast du wieder Alpträume!

LEA Evi, ein Massaker, ein richtiges Massaker an fast 800 Menschen! Die haben sie in eine Festung gepfercht - sechs Tage lang sind die gegen sie vorgegangen. Die haben einfach Bomben reingeschmissen in die Festung und Dieselöl in den Keller gegossen, und das haben sie angezündet!

EVI Wer denn?

LEA Englische und amerikanische Spezialeinheiten. Die behaupten einfach, die Gefangenen hätten einen Aufstand organisiert. Deshalb haben sie sie liquidiert! Verstehst du?

EVI Ich versteh nur, dass du dich noch verrückt machst mit den ganzen Meldungen!

LEA Und jetzt pass auf: Sie bezeichnen den Krieg da unten als einen Bürgerkrieg. Nicht als einen Krieg zwischen Staaten! Deshalb sind die Gefangenen nicht der Genfer Konvention unterworfen und stehen nicht unter internationalem Recht. Laut Sie können mit ihnen machen, was sie wollen! Kapierst du?

Ein Baby weint.

EVI Jetzt hast du auch noch die Kleine aufgeweckt! Geht nach hinten, nimmt das Baby auf den Arm und summt ein Wiegenlied.

LEA vor sich hin Es gibt zahlreiche Beweise, aber sie streiten alles ab, sie verdrehen die Tatsachen, geben den Gefangenen die Schuld. Dabei hatten die sich freiwillig ergeben! Hatten geglaubt, sie lassen sie nach Hause. Die waren ganz geschockt, als sie auf einmal in der Festung eingesperrt waren. Ein Gefangener sollte durchsucht werden, verliert die Nerven und zündet seine versteckte Handgranate, und tötet damit sich selber und zwei von den Bewachern. Daraufhin haben sich noch ein paar andere Kriegsgefangene mit Handgranaten in die Luft gesprengt. Weil sie alle Angst gekriegt haben, dass sie erschossen werden sollen. Verstehst du!

 

5

Lea und Margot lesen Briefe.

LEA Abgelehnt.

EVI Ich hab eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch!

LEA Von wegen der Dank des Vaterlandes ist uns gewiss!

EVI Was sagst du jetzt!

LEA Alles nur hohles Geschwätz! Aber dann Ehrenmale errichten gefallene Soldaten!

EVI Was?

LEA Sie dürfen keine Zivilisten hinfliegen, bedauern sehr, dass Sie mir in der Frage nicht entgegen kommen können... Wo bleibt er denn jetzt, der Dank des Vaterlands? Aber sonst werden sie mir in allem mit Rat und Tat beiseite stehen und mich unterstützen wo sie nur können!. Lacht Wollen sie meinem Jungen beibringen, dass sein Papa nicht mehr zurückkommt? Oder wollen sie mir helfen bei meiner ‚Trauerarbeit’? Wollen sie vielleicht mein Baby stillen? Da, wo sie mir wirklich behilflich sein könnten, da schalten sie auf stur! - Ich komm auch ohne euch hin!

EVI Was willst du denn dort?

LEA Ich flieg hin! Jetzt erst recht!

EVI Lea, das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung rausgegeben! Es ist gefährlich dort, sie raten dringend davon ab! Falls dir nämlich was passiert, du entführt wirst zum Beispiel – können sie für nichts garantieren! Sollen deine Kinder auch noch ohne Mutter aufwachsen?

LEA Flieg ich eben mit der Lufthansa!

EVI Mit der Lufthansa? Das wird teuer!

LEA Mir doch egal!

EVI Vorhin hat eine Frau angerufen, eine Frau Pflug, ich glaub fast, das ist die Blonde, weißt du, die bei der Einsegnungsfeier so furchtbar geweint hat.

LEA Wie hat die unsere Telefonnummer rausgekriegt?

EVI Ob sie uns mal besuchen darf, hat sie gefragt. Die will auch runter fliegen.

LEA Aha!

EVI Sie kommt am Mittwoch zum Kaffee.

LEA Gut, sehr gut!

 

6

LEA Er wollte den Wehrdienst verweigern.

EVI Kann man das im Nachhinein?

LEA Er hat sogar mit dem Gedanken gespielt, die Bundeswehr zu verklagen.

EVI Was?

LEA Weil es ein Kampfeinsatz ist und damit grundgesetzwidrig.

EVI Also doch!

LEA Am Abend vor seinem Abflug hätte er geweint. Richtig geweint, sagt sie.

EVI Der hat was geahnt!

LEA Und wie er unten war, haben die das schon gewusst.

EVI Was?

LEA Dass er den Wehrdienst verweigern und sie verklagen will.

EVI Woher denn?

LEA Woher wissen die, dass ich bei der Lufthansa gebucht hab?

EVI Vielleicht muss die Lufthansa die Fluggastlisten an sie weitergeben?

LEA Frau Pflug vermutet was anderes.

EVI Was denn?

LEA Wanzen.

EVI flüstert Abhöranlagen?

LEA Sie sagt, ihr Mann hatte außer ihr mit keinem Menschen darüber gesprochen, dass er verweigern will. Also, woher wissen die das dann?

EVI guckt sich um, flüstert Das ist ja gespenstisch!

LEA Sie hätt schon ihre ganze Wohnung abgesucht.

EVI Hat sie was gefunden?

LEA Nichts. Ist doch komisch: Erst schreiben sie mir, sie dürfen keine Zivilisten hinfliegen und auf einmal klappt’s doch.

EVI Lea, ich bin froh, dass du mit der Bundeswehr fliegst! Erst mal ist es billiger -

LEA Und außerdem können sie jeden Schritt von mir überwachen!

EVI Mich beruhigt’s. Frau Pflug; fliegt die auch mit?

LEA Ja. Insgesamt sind wir sieben.

EVI Sieben Frauen?

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

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Published by Slov ant Gali eingestellt
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