Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Über Diesen Blog

  • : Blog für Friedenstexte
  • Blog für Friedenstexte
  • : Wettbewerbstexte als Demonstration gegen deutsche Kriegsbeteiligung
  • Kontakt

FAQ

Das Friedensblog sammelt Friedenstexte interessierter, engagierter moderner Autoren.

Suchen

Die Friedensautoren mit Texten

23. Oktober 2010 6 23 /10 /Oktober /2010 11:15

 

In die Farben Afghanistans

Alle waren angespannt, auch der kleine, bebrillte Unteroffizier neben mir, dem sein Befinden in großen Tropfen von der Stirn perlte.

Der Abflug und die Landung. Die gefährlichsten Momente eines Fluges. Was für ein ausgemachter Hohn! Von dem, was nach der Landung, vor dem nächsten Start passiert, redet niemand. Heimkommen tun sie nämlich alle. Es ist nur eine Frage der Form. Mal in sehr kleinen Stückchen, mal komplett, mit einem verwunderten Ausdruck im Gesicht und einem kleinen Loch in der Stirn. Mal in einem Bodypack, mal in Zinkeimern.

Dann gibt es die anderen, Söldner ihrer selbst eigentlich, denen all das nichts anzuhaben scheint, die, wohl mit unerschrockener Unsterblichkeit gesegnet, unversehrt am Körper, die Seele schon lange tot, grinsend auf den harten Sitzen über die, die nicht mehr lächeln können, wachten. Die Wächter, die überlebt , die ihre Pflicht getan, ihr Soll dem eigenen Ego gegenüber erfüllt hatten. Stumpfe Hüter des Blutzolls.

Wieder andere, die neben ihnen, wachen ebenfalls über Zinkbehältnisse, unsichtbare allerdings.

Säuberlich verknäult in diesen Urnen, ganze Welten des Bewusstseins. Nicht dazu bestimmt, mit Erde überhäuft zu werden, nein kleberig und schleimig haftend an der Wirklichkeit, sie verhüllend, zur Fratze gestaltend.

Doch ich greife vor.

Zuerst stiegen wir aus, in ein Spiegelpanorama heißer Luft hinein, Staubkristalle inhalierend. Wie tumbe Enten, einer hinter dem anderen. Wie Ameisen, unsere Last auf dem Buckel und im Hirn schleppend.

Die Unterkünfte. Deutsche Ordentlichkeit.

„Kameraden! Wir stehen vor einer schwierigen Aufgabe!“

Ja, Freunde, Mitmenschen, Enten und Ameisen für die Sache des Todes.

Wir alle sollen ihn geben, den Tod. Sollen morden oder gemeuchelt werden. Die Hauptsache, der Sensenmann bekommt genug zu saufen, von dem roten, dickflüssigen, heißen Wein.

Die erste Patrouille. Zu Fuß. Hieroglyphen, unter Schädeln, turbanverhüllt, löchrigem, gelben Grinsen. Seltsam, wie sie wissen, dass wir Frischfleisch sind.

Ein helles Beige der Ort, fast gelb, nein weiß schon.

Lehmige Fassaden, die sich gegenseitig stützen.

Blaue Tüchertupfer und metallisch erdige Sturmgewehre an fadenscheinigen Kitteln schwingend.

Das Leben eines Mannes ist voller Schmerzen, sieh! Wir lachen drüber.

An den Feuern die Kinder. Braunäugig, einäugig, einarmig, dünnhäutig.

An den Brüsten der schalen Mütter Babys, ahnungslos und glücklich, sollte man meinen, die hineinwachsen in eine Welt des Trübsals, die schon ihre Eltern nicht mehr verstanden.

Was ist der Sinn? So schreien ihre Blicke.

Die Antwort sind ein paar Knaben. Ratatata! So spielen sie.

Ratatata! Die Essenz. Was sollte daneben nicht verblassen?

Der Wind hüllt unsere Uniformen ein, zerrt an Ihnen, als wolle er sie hinüberziehen, mitsamt dem erbärmlichen Inhalt, in die Wüste, die Gott für die Oberschlauen, die Überheblichen gedacht hat. Die Geröllfelder des Gewissens, die jeder zu durchqueren gezwungen ist, die niemals enden.

Göttergleich marschieren wir durch die Straße, das Verderben in den Händen, am Gürtel.

Olivgrüne Käfer, die ihre Kinder mit Scheiße füttern.

Eintopfmentalität im Land der Shishas. Die Augen rechts! Ab Null Uhr schießen wir zurück! Verteidigt euer Vaterland!

Braun ist sie, die Landschaft, braun von unsren schweren Stiefeln, braun und schmutzig rot. Die Luft erfüllt von Stahlpaketen. Wen triffts? Doch nur Abstraktes!

„Kameraden! Wir stehen vor einer schwierigen Aufgabe!“

Wohlan, so hat der Herr für mich beschlossen, nicht weilen soll er hier.

Keine zwei Tage verbringe ich in diesem hohlen Traum, dann explodieren alle Farben, scheinbar nur für mich.

Liege diesmal in dem Flugzeug, den rechten Fuß in Gips. Heimatschuss.

Doch meine Farbpalette, die bunte, hat man mit dunklem Grau getüncht, für den Rest der Zeit. Da helfen keine Orden.

Dunkles Grau.

 


@Thom Delißen 092009 aus Thom Delißen: Question authority

 

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Slov ant Gali eingestellt
Kommentiere diesen Post

Kommentare

Autoren & Texte