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Das Friedensblog sammelt Friedenstexte interessierter, engagierter moderner Autoren.

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Die Friedensautoren mit Texten

31. Dezember 2008 3 31 /12 /Dezember /2008 17:04

Raketen schießen

in den Himmel

ihr Knall ist

Kilometer weit zu hören

Feuersterne

fallen tot herab

und mit ihnen die

Hoffnung das bis

zum nächsten

Jahresende

keine laut-knallenden

Bomben

Auf diese Erde fallen.


Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

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30. Dezember 2008 2 30 /12 /Dezember /2008 16:45

Ausgetragen, großgezogen mit Bedacht,

 stolz verfolgt, was Du aus Deinem Leben hast gemacht.

   

Die Zukunft rosig sollte sein,

 doch nun ist sie bestimmt von Leid.

Im Krieg du sollst ein Mann nun sein,

verteidigen die schwach und klein.

 

Mein Junge, was wird nun geschehen?

Welche Wege wirst Du gehen?

Von Selbstmordattentäter habe ich gelesen,

die aufgewachsen sind um zu sterben,

wo ist der Sinn und wo die Liebe,

durch wie viel Hass wurden sie getrieben,

so zu handeln ohne Reue,

den Tag beginnen mit Gedanken an Mord, immer aufs Neue.

 

Wie Sinnlos ist doch dieses Handeln,

Tag ein Tag aus auf der Schwelle des Todes zu wandeln.

Manche Krieger, Frauen und Kinder misshandeln,

ohne Respekt vor dem Anderen handeln.

 

Auch Du wirst eine Waffe tragen,

vielleicht Unschuldige damit jagen?

Generationen von Menschen werden den Hass in sich tragen,

sich weiter qualvoll verletzen, über viele Jahre.

 

Ein Ende ist immer noch nicht in Sicht,

 der Gedanke daran, ist für mein Herz wie ein Stich.

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

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29. Dezember 2008 1 29 /12 /Dezember /2008 18:21

Drei Zeiten

bestimmen Leben:

vor

während und

nach dem Krieg

eine vierte

mit September-Elfnulleins

gekommen ist –

 

Auf der Lebensreise

legt ewiges Schlachten  

sich  als Pendolino

auf  die Gleise

sucht

Maschinengewalt

in Kurven zu halten –

 

In die vierte Jahreszeit

gesät

Hass

Krieg

eh und je,

harte Blütenzeit,

rot gefärbt

zum kalten Winterweiß

wie wissen

wie viel Wasser unter

wie leben

auf berstendem Eis?

Ich schlage diesen Text vor als "Friedenstext des Monats".

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28. Dezember 2008 7 28 /12 /Dezember /2008 18:19

Unter dem  Transparent

der Abrüstung

für den Frieden laufen

wie können Beine

so schnell und viele sein?

 

Über den Dächern

Balancieren

durch die Abluft

der Waffenschmiede

ohne abzustürzen?

 

Raketen abheben

über gespenstige

Szenen schweben

wieso hat Balken

die Luft?

 

Im Dunkeln

Straßen aufglänzen

Lichterwürmer

tausend Kerzenfüße

wälzen Frieden im Herzen.

Ich schlage diesen Text vor als "Friedenstext des Monats".

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27. Dezember 2008 6 27 /12 /Dezember /2008 18:20

„Feigling!"

Ich legte die ganze Verachtung, die ich in diesem Moment für meinen Vater fühlte, in dieses eine Wort hinein. Er weigerte sich, für unsere heilige Sache in den Krieg zu ziehen und unser Land zu verteidigen. Schließlich war es unsere Pflicht, unsere Rechte notfalls mit Waffengewalt durchzusetzen. Wir hatten gar keine andere Wahl.

„Du hast immer die Wahl, mein Sohn", sagte mein Vater ernst. „Immer."

„Soll ich den anderen unser Land überlassen?", höhnte ich. „Soll ich tatenlos dulden, dass sie uns knechten, uns alles wegnehmen, uns ihren falschen Glauben aufzwingen? Du warst doch auch einmal Soldat und hast für unsere Freiheit gekämpft. Wie konnte aus dir nur so ein erbärmlicher Feigling werden. Ich schäme mich zutiefst dein Sohn zu sein!"

Mein Vater sah mich mit jenem Blick an, mit dem er mich schon als Kind bedachte, wenn ich etwas sehr Dummes gesagt oder getan hatte. „Nun, mein Sohn, ich habe bereits unfreiwillig hinter mir, was du jetzt freiwillig auf dich nehmen willst. Und aus dieser Erfahrung sage ich dir: Es gibt absolut nichts, wofür es sich lohnt, eine Waffe in die Hand zu nehmen und damit auch nur ein einziges Menschenleben auszulöschen.

Du sprichst von ‚unserem’ Land. Es ist zwar unsere Heimat, aber trotzdem nur ein Flecken Erde, dessen Landesgrenzen willkürlich festgelegt wurden von einigen Wenigen, die sich einbildeten ein Anrecht auf alles zu haben, was sich diesseits dieser Grenzen befindet. Jetzt maßen sich wieder einige Wenige an, ein ‚Anrecht’ auf das Land zu beanspruchen, auf dem seit Jahrhunderten andere Menschen leben. Und wir sollen jetzt diese Menschen, die uns nie etwas getan haben, von ihrem Land vertreiben und ihnen ihre Heimat wegnehmen, nur weil die da oben nicht genug bekommen können in ihrer Gier nach Macht.

Die haben garantiert noch nie ein Gefecht erlebt und noch nie selbst gekämpft. Hätten sie diese namenlose Grauen, für das es keine Worte gibt, um es angemessen zu beschreiben, jemals am eigenen Leib erfahren, sie kämen niemals auf den Gedanken, einem anderen fühlenden Wesen diese Hölle zuzumuten für ein paar Quadratkilometer felsigen Landes, auf dem nicht einmal etwas wächst, von dem man sich ernähren könnte.

Es geht um Macht, mein Sohn, um deren persönliche Macht, und sie wollen uns dazu missbrauchen, sie ihnen zu verschaffen. Wenn die anderen uns angegriffen hätten und uns töten wollten, sähe die Sache anders aus. Aber wir sind die Aggressoren, die Diebe. Und nun, da sie ihr Eigentum verteidigen, sollen wir sie töten." Er schüttelte den Kopf. „Ich werde niemals wieder für so einen Irrsinn meinen Kopf hinhalten."

„Du wirst langsam senil, alter Mann", spottete ich. „Zu nehmen, was man kann, ist das Recht des Stärkeren. Und die Stärkeren sind wir!"

„Es gibt kein ‚Recht des Stärkeren’. Das haben die Machthaber nur erfunden, um ihre grundlosen Angriffe auf Unschuldige irgendwie zu rechtfertigen. Im Gegenteil. Der Starke hat die Pflicht, den Schwachen beizustehen, ihnen zu helfen und sie zu beschützen und ihnen nicht auch noch das Wenige wegzunehmen, das sie besitzen. Dieser Krieg ist ein wahnsinniges Unrecht, Junge, und ich werde dieses Unrecht nicht unterstützen. Das solltest du auch nicht tun."

„Ich werde meine Pflicht erfüllen und zwar mit Freuden!", schleuderte ich ihm entgegen. „Ich werde als großer Held heimkehren und die Schande deiner Feigheit damit von unserem Namen waschen."

„Kriege haben noch niemanden groß gemacht, sondern immer nur millionenfaches Leid, Zerstörung und Hass verursacht. Kriege vernichten am Ende sogar jene, die sie gewonnen haben. Es gibt immer andere Möglichkeiten, Konflikte zu lösen. Ein wahrer Held ist derjenige, der siegt, ohne mit der Waffe zu kämpfen."

Ich hörte ihm nicht zu. Ich wollte das nicht hören, denn was er sagte, erschütterte alles, an das ich damals noch glaubte. „Es geht hier um unsere Ehre!", warf ich das letzte Argument in die Waagschale, von dem ich hoffte, dass es einem Mann wie meinem Vater etwas bedeutete. „Begreifst du das nicht?"

Mein Vater lachte nur bitter und mitleidig. „Ehre ist nur ein hohler Begriff, der derart aufgeblasen wird, bis er zur Unkenntlichkeit verzerrt ist, um so als miserabler Anlass herhalten zu können, andere Leute zu drangsalieren und sogar zu töten. Wahre Ehre geht einher mit einer noblen Gesinnung, die vor allem auch Anstand, Ehrlichkeit und Großmut beinhaltet. Krieg ist niemals ehrenvoll. Und die sogenannten Kriegshelden sind diejenigen, die am Ende die schlimmsten Albträume haben."

Ich spuckte vor ihm aus. „Ich habe mal zu dir aufgesehen und dich verehrt, alter Mann. Jetzt empfinde ich nur noch Verachtung für dich."

Das waren die letzten Worte, die ich zu meinem Vater sprach. Ich packte meine Sachen, und schon am nächsten Tag ging es an die Front.

Wir fühlten uns großartig, meine Kameraden und ich. Wir waren die Auserwählten, die unser Land verteidigen und die Feinde ungespitzt in Grund und Boden rammen würden. Wir sangen Siegeslieder, um uns zu beweisen, dass es gar keine andere Möglichkeit gab als den Sieg und ergingen uns in der Hybris, unbesiegbar und unverwundbar zu sein.

Doch schon der erste Kampfeinsatz und belehrte uns eines Besseren, als der Tod reichhaltige Ernte unter uns hielt.

Ich weiß bis heute nicht genau, was damals eigentlich passierte. Mein Gehirn weigert sich, allzu viele Details zu erinnern. Doch das, woran ich mich erinnern kann, ist furchtbar genug. Es ging ins feindliche Gelände, und wir alle hatten Angst. Man merkte es an den übermäßig forschen und groben Scherzen, an der geballten Zurschaustellung von in Wahrheit nicht existierender Furchtlosigkeit und am Geruch. Nicht nur Tiere können Angst riechen, sondern auch Menschen. Zumindest wenn sie in so geballtem Maß ausgeschwitzt wird wie an jenem Tag.

Jedenfalls waren wir so sehr damit beschäftigt, die inneren Stimmen unserer Angst lautstark zu übertönen, dass wir die Gefahr zu spät bemerkten. Die Hälfte unserer Kompanie war tot, bevor wir überhaupt reagieren konnten. Später hat mir jemand gesagt, dass das Ganze keine zehn Minuten gedauert haben soll. Mir kam es vor wie eine Ewigkeit.

In unmittelbare Nähe schlug eine Granate ein. Der Knall raubte mir vorübergehend das Gehör. Feuchter, stinkender Dreck spritzte mir ins Gesicht und über meinen ganzen Körper. Ich stürzte zu Boden. Der Kamerad neben mir war nicht mehr da, sondern nur noch sein Arm mit der Popeye-Armbanduhr, über die wir uns alle lustig gemacht hatten. Arm und Uhr lagen herrenlos quer über meinen Beinen. Und der Rest seines Körpers war der feuchte, stinkende Dreck, der an mir klebte.

Ich würgte und kotzte. Der Kommandierende brüllte etwas, das ich nicht verstehen konnte. Befehle wahrscheinlich, doch ich hätte sie ohnehin nicht mehr ausführen können, denn aus dem Gebüsch links und rechts des Weges stürmten die Feinde. Ich hörte auf zu denken und reagierte nur noch. Ich schoss auf jeden, der nicht dieselbe Uniform trug wie ich. Ich glaube, Frauen waren auch darunter. Ich sah sie fallen, sah das Blut spritzen, sah, wie Körperteile von den Geschossen zerfetzt, Körper teilweise oder vollständig zerrissen wurden. Ich roch den widerlichen Gestank, der sich ausbreitet, wenn die Gedärme von Menschen aufgerissen werden.

Der Krieg offenbarte sich mir in seiner ganzen Hässlichkeit, so abgrundtief scheußlich und schrecklich, wie ich es mir in meinen schlimmsten Träumen niemals hätte ausmalen können.

Irgendwann war mein Gewehr leergeschossen, und ich musste mit dem Bajonett und meinen bloßen Händen weiterkämpfen. Sie hatten uns in der Kaserne nicht darauf vorbereitet, dass wir die Angst, den Hass, den Schmerz der Menschen in dem Moment in ihren Augen sehen würden, da wir sie im Nahkampf töteten. Dass wir uns selbst vor Angst buchstäblich in die Hosen pissten. Den metallischen Geschmack fremden Blutes im Mund, das wer weiß wie seinen Weg direkt dorthin gefunden hatte. Die Übelkeit. Die bestialische Ausdünstung des Todes. Den Schmerz. Und die Gewissheit, dass der eigene Tod nahezu unausweichlich ist.

Ich habe an dem Tag alle Körpersäfte gleichzeitig vergossen: Blut, Schweiß, Tränen, Rotz, Urin und habe Galle erbrochen. Aber der Tod wollte mich noch nicht. Das erwies sich schließlich als das Schlimmste, denn irgendwann hatte ich mich aufgegeben und das Ende akzeptiert. Als es nicht kam, verfiel ich in einen Zustand, in dem meine Seele wohl schon im Jenseits weilte, aber mein Körper ihr noch nicht zu folgen vermochte. In dem Moment gewann der Begriff „Zombie" für mich eine neue, unaussprechlich schreckliche Bedeutung. Namenloses Grauen breitete sich in mir aus, das mein Gehirn sich irgendwann weigerte, noch weiter zu registrieren.

Nur drei von uns haben jenen Tag überlebt. Wir wurden gefangen genommen und gedemütigt auf die schlimmste Weise, die man sich vorstellen kann. Die Feinde haben uns neben anderen Folterungen der Reihe nach vergewaltigt, und keiner von uns hätte sich je vorstellen können, dass uns das passieren könnte. Wir sind doch Männer! Aber das rettete uns nicht. Hinterher haben sie uns zusammengeschlagen und fast totgeprügelt, bevor irgendjemand, der wohl was zu sagen hatte, dem ein Ende bereitete.

Wir kamen in ein Lazarett, wo man uns in unserem eigenen Blut stundenlang unbeachtet liegen ließ, bis sich endlich jemand um uns kümmerte.

Aber dann haben sie keinen Unterschied mehr gemacht zwischen ihren eigenen Leuten und uns, ihren Feinden. Das verstehe ich bis heute nicht. Wir haben sie angegriffen, wollten sie töten und vernichten und alles zerstören, was ihnen lieb und teuer war. Und trotzdem haben sie uns behandelt wie ihresgleichen und um das Leben jedes Einzelnen von uns gekämpft.

Als sie kamen, um uns in ein Internierungslager zu stecken, hat der leitende Arzt behauptet, wir wären noch nicht transportfähig und durchgesetzt, dass wir noch drei Tage in der Klinik bleiben konnten. Noch in derselben Nacht gab er uns Proviant und eine Landkarte und schleuste uns versteckt in einem Transporter mit medizinischem Abfall aus dem Krankenlager.

Er hat uns sogar zum Abschied gesegnet. Gesegnet – uns, die wir seine Leute getötet haben und auch nicht gezögert hätten, ihn umzubringen, wären wir ihm an der Front begegnet. Ich kenne zwar nicht einmal seinen Namen, aber ich werde nie seine Antwort vergessen, als ich ihn fragte, warum er das für uns tut und damit sich selbst in Gefahr bringt.

„Weil wir alle Menschen sind, mein junger Freund. Kein Mensch hat das Recht, einem anderen das Leben zu nehmen oder auch nur absichtlich Leid zuzufügen. Ich bin Arzt und habe den Eid geschworen, Leben zu retten. Den werde ich nicht brechen, nur weil ein paar Vollidioten in der Regierung der Meinung waren, Krieg führen zu müssen. Gott verbietet das Töten, und ich werde keinen Menschen wissentlich dem sicheren Tod zuführen, auch keinen sogenannten Feind. Ich bin der Überzeugung, dass in absehbarer Zeit wieder Frieden zwischen unseren Völkern herrschen wird. Wenn es soweit ist, wird jeder Mann, jede Frau und jedes Kind gebraucht, um wieder aufzubauen, was im Krieg zerstört wurde. Und zwar auf beiden Seiten, denn nur gemeinsam werden wir für unsere Kinder eine friedliche Zukunft schaffen können, die es wert ist gelebt zu werden. Deshalb gehen Sie mit Gott, mein Freund."

Er hat mein Leben gerettet und mich „Freund" genannt – mich, der ich seine Leute umgebracht habe. Ich schäme mich so!

*

Wir schafften es, uns zurück zu unserer Einheit durchzuschlagen und wurden ausgemustert. „Posttraumatisches Stress-Syndrom", heißt die offizielle Diagnose. „Kriegstrauma" hieß es lapidar unter den Soldaten. Was auch immer, ich bin erleichtert, dass ich nie wieder an die Front muss. Ich könnte es nicht mehr.

Ich fange an zu zittern, wenn ich eine Waffe sehe. Mein Mund wird trocken, mein Herz rast, wenn ich ein jaulendes Geräusch höre, das an ein fliegendes Geschoss erinnert. Ich gerate in Panik, wenn irgendwo etwas knallt, und sei es nur eine Autotür. Ich zucke zusammen, wenn mich jemand wie auch immer flüchtig berührt, selbst wenn es aus Versehen geschieht. Die Narben meiner Verletzungen schmerzen ständig, besonders bei jedem Wetterwechsel. Arbeiten kann ich nicht mehr. Ich gelte als Invalide und bekomme eine bescheidene Rente. Ich existiere zwar noch, doch Leben kann man das nicht mehr nennen.

Dabei bin ich doch erst vierundzwanzig.

Ich war ein solcher Narr, dass ich Krieg einmal für glorreich und heldenhaft gehalten habe. Diesen Irrtum habe ich mit einem schrecklichen Preis bezahlt. Jetzt verstehe ich meinen Vater vollkommen.

Er ist kein Feigling, im Gegenteil. Er ist ein sehr viel weiserer und vor allem mutigerer Mann als ich. Und er hatte recht. Es gibt keine Sache, keine Philosophie, keine „hehren Beweggründe" und erst recht keine „Ehre", die einen Krieg rechtfertigt. Nichts. Gar nichts. Es gibt andere Möglichkeiten, Konflikte zu lösen.

Was hat uns unser „gerechtfertigter heiliger Krieg" gebracht? Nur Tote und Zerstörung auf beiden Seiten. Nachdem irgendwann unzählige Soldaten verheizt worden waren, ist die Regierung zu dem Schluss gekommen, dass der Krieg nicht zu gewinnen ist und hat Friedensverhandlungen aufgenommen. Die Grenzen sind immer noch da, wo sie vorher waren. Nichts hat sich geändert, außer dass Tausende Menschen sinnlos gestorben sind oder für den Rest ihres Lebens verkrüppelt wurden.

Jetzt weiß ich, warum mein Vater nie wieder für so einen Irrsinn seinen Kopf hinhalten und niemals wieder kämpfen wollte.

Auch ich kämpfe niemals wieder. Jedenfalls nicht mit Waffen. Gandhi siegte durch passiven Widerstand, ohne dass er oder seine Leute auch nur einen einzigen Tropfen Blut eines anderen Menschen vergossen hätten. Ich habe meinen Verstand, und sollte es jemals notwenig sein, dass ich mich für eine Sache einsetze, die diesen Einsatz wirklich lohnt, so werde ich mit meinem Verstand kämpfen. Niemals wieder werde ich eine Waffe in die Hand nehmen. Niemals wieder werde ich auch nur in Erwägung ziehen, einen Konflikt mit Gewalt lösen zu wollen. Und niemals wieder werde ich eines Menschen Leben bedrohen oder gar auslöschen.

Du hattest recht, mein Vater. Ich habe immer die Wahl.

Und ich wähle den Frieden.

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

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27. Dezember 2008 6 27 /12 /Dezember /2008 09:39

10 vor

Er sagt: „Ich muss noch mal weg. Ich nehme Emily mit."

Anne nickt. „Bleibt aber nicht zu lange fort." Sie rührt im Topf. „Das Essen ist bald fertig."

„Ja, es wird nicht lange dauern", erwidert er. „Ich hoffe, dass es schnell geht."


9 vor

Er geht den Flur hinunter. Nach hinten zum Zimmer der beiden Großen. Ben und Christina sehen kaum von ihrem Spiel auf. Er beobachtet sie für ein paar Augenblicke.


8 vor

Er bleibt in der offenen Küchentür stehen. „Anne", sagt er leise.

„Was ist?" Sie dreht sich zu ihm. Ihre Wangen sind gerötet.

„Ich liebe dich."

Sie blickt erstaunt. „Ist alles in Ordnung?"

Er nickt. „Ja, alles in Ordnung."


7 vor

Er trägt das Kind auf seinem Arm die Straße hinunter. Der Himmel ist klar, kein Luftzug geht. Emily krallt sich fröhlich plappernd an seine Schulter. Er streicht ihr sacht über das Haar.


6 vor

Er dreht sich zur Seite und beugt sich nach unten. Den Kanister findet er auf Anhieb. Es war ein gutes Versteck. Die Flüssigkeit im Inneren gluckst gegen die milchigen Außenwände. Beinahe könnte es Wasser sein.


5 vor

Er geht weiter die Straße hinunter. Am Ende muss er nach rechts abbiegen. Kinder spielen auf den Wegen und im Park. Männer und Frauen hasten an ihm vorbei, auf dem Weg zur Arbeit, zum einkaufen, zum Frisör.

Ein Auto überholt ihn.


4 vor

Er erreicht den Platz vor dem Gebäude. Auch hier sind etliche Menschen unterwegs. Keiner achtet auf ihn und das Kind.


3 vor

Er bleibt stehen. Schließt die Augen und drückt das kleine Mädchen fest an sich. Sie riecht nach Brot und Milch.

Sein Atem beruhigt sich.


2 vor

Er setzt Emily vor sich auf den Boden nieder und spricht leise mit ihr. Als er sich aufrichtet und von ihr zurücktritt, bleibt sie sitzen, als hätte sie ihn verstanden.


1 vor

Er schraubt den Verschluss des Kanisters auf. Das Kerosin durchweicht ihn von oben wie ein Regenschauer. Die Leute sind stehen geblieben. Beinahe wirken sie wie erstarrt.

Die Sonne lässt das Metall des Feuerzünders in seiner Hand aufblitzen, als er den Deckel zurückschiebt.


- -

 


Der Krieg ging weiter

Die Welt aber

stand für einen Moment still


Norman Morrison (29.12.1933 -- 02.11.1965)

zum Gedächtnis

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

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26. Dezember 2008 5 26 /12 /Dezember /2008 10:09
 Welches Wort dem
blinden Bären? der
an der Leine hält den
Großen Mann den Schwarzen
Mann verschlingt und

hütet
zu fallen und
misstraut den halb entblößten
den geflügelten
Worten wie Zähnen
und
Stürzen am Ende
sie doch

 

© ingritt sachse
(Ausgangspunkt ist ein Gedicht von I. Bachmann „Großer Bär“)

 

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25. Dezember 2008 4 25 /12 /Dezember /2008 18:08
> Das war´s Jungs, jetzt bin ich weg!
> Ihr könnt mich: mit euren Katjuschas und Opfern,
> Katastrophen und Abzockgeschichten.
> Zwingt die welt in euern Schritt.
> Null Fortschritt, solange Angst regiert.
> Bedient nur den gemeinen Eierkratzer
> auf den Sofas dieser Welt.
> Denn solche schalten euch nicht aus,
> um rauszugehen, nachzusehn,
> geschweige denn zu tun.
> Kein Wunder das Jucken: Altes Spiel
> Airfix Forever!
> Der letzte Schritt zur Heilung wäre
> auszutreten aus TV.
> Was mich vertrieb?
> Der sanfte Rasierer für meine Beine
> ohne technische Details.

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24. Dezember 2008 3 24 /12 /Dezember /2008 07:36

Weihnacht

die botschaft
vernahm ich wohl
allein
der glaube
fehlt

ich hoffe
das kind wird
noch geboren
in dessen namen
kein gewehr geweih-
nachtet wird

bis dahin
meine hand
denen die sagen
du sollst nicht töten
es nicht tun

und andere

nicht tun lassen

meinen sack
fülle ich
mit kalaschnikows
geladen mit


frieden


Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

 

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24. Dezember 2008 3 24 /12 /Dezember /2008 06:00

 
Friedlich kommt jedes Kind auf diese Welt
hat keine Wahl aus welchen Schoss es fällt

Kann in einem Land geboren werden
wo es alles hat auf Erden
In einem Land wo es Frieden und Freiheit gibt
in einer Familie wo man dieses Kind liebt

Friedlich kommt jedes Kind auf diese Welt
hat keine Wahl aus welchen Schoss es fällt

Kann in einem Land geboren werden
Wo nichts gutes für sie gibt auf Erden
In einem Land wo es Krieg und Elend gibt
In Familien wo man dieses Kind nicht liebt.

Friedlich kommt jedes Kind auf diese Welt
hat keine Wahl aus welchen Schoss es fällt


Alle Kinder könnten in Frieden und Freiheit leben
Wir Menschen müssten allen nur mehr Liebe geben
Nicht das Geld für Kriege und Waffen ausgeben
Sondern für die Kinder, für ein besseres Leben

Zeigt in Zukunft für unsere Kinder mehr Mut
Denn die Kinder sind unser höchstes Gut

Denn:
Friedlich kommt jedes Kind auf diese Welt
Es wäre schön wenn es in eine friedliche Welt fällt


Copyright Renate Laufs 2008

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.
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