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Das Friedensblog sammelt Friedenstexte interessierter, engagierter moderner Autoren.

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Die Friedensautoren mit Texten

15. Juni 2009 1 15 /06 /Juni /2009 21:14

Ich schließe die Tür von meinem Büro.

Eile den Gang entlang zum Fahrstuhl.

Mit meinen Gedanken auf dem Weg nach Hause.

„Tschüß, schönen Feierabend".

„Ja, auch so, bis Morgen".

Beeile mich.

Erst zur S-Bahn, dann zum Zug, die Rolltreppe zum Bahnsteig herauf.

Die Zeit bestimmt mein Leben.

Der Zug nach Witten ist natürlich gerade weg.

Es ist nass- kalt. Gehe zum Aufenthaltsraum, und setzte mich auf unbequeme kühle Sitze.

Eine Frau sitzt neben mir. Wir warten.

Ich sehe mich um.

Gegenüber in der äußersten Ecke, hat sich ein junger Mann ausgebreitet.

Ein Schäferhund liegt neben ihm.

Ich beobachte ihn.

Pickeliges Gesicht, fettige Haare, schmutzige Jacke, kein Gepäck, außer einer Plastiktüte mit einigen Bierflaschen.

Total auf seinen Hund fixiert.

Gibt pausenlos Kommandos. „ Sitz, Steh, Platz." Will uns wohl imponieren.

Wärmt sich hier wohl nur auf!

Er nimmt die Pizza, steckt ein Stück in den Mund, und hält sie dann dem Hund hin.

Der will schon zuschnappen, da wird sie ihm wieder weggerissen.

Mit einem Tritt und „Heh, du magst doch gar keine Pizza."

Der Hund wedelt mit dem Schwanz, presst sich ängstlich auf den Steinboden.

Liebevolle Worte hat er bestimmt noch nicht gehört.

Schmatzend vertilgt der Mann den Rest der Pizza, und schüttet eine Flasche Bier hinterher.

Zerknüllt die Tüte von der Pizza und versucht diese in den Papierkorb zu kicken.

Daneben, war klar!

Blicke an ihm vorbei durch die schmutzigen Scheiben.

Auf dem Nebengleis fährt der Zug ein in Richtung Mülheim.

Nicht meine Strecke und bleibe sitzen.

Da schwingt die Tür auf.

Ein Dunkelhäutiger betritt den Raum.

Sieht in die Runde, zögert, setzt sich dann neben den jungen Typ.

Vielleicht, hätte ich ein Stück rücken sollen, dann hätte er neben mir Platz genommen.

Der Kerl dreht sich zum neuen Gast um, fixiert ihn ausgiebig, provozierend.

Blickt seinen Hund lange an, dann den Fremden.

„Weißt du, mein Hund hat heute noch nichts zu Fressen bekommen. Ich übernehme keine Garantie."

Schock! Das hat er doch nicht gesagt!

Der Angesprochene sagt keinen Ton. Bleibt sitzen.

Mein Magen krampft sich zusammen.

Meine Sinne auf „Hab acht – Stellung". Sekunden vergehen.

Ich stehe auf, gehe langsam zur Tür.

Nur keine Hektik.

Hilfe…

Du musst Hilfe holen, sonst eskaliert es hier.

Gehe erst langsam, dann schneller zu einem Arbeitsraum der Bahn-Angestellten.

Einem Schaffner erzähle ich die furchtbare Situation.

Er ruft die Bahnpolizei an.

Von weitem beobachte ich, wie zwei Leute der Bahnpolizei die Treppen herauf laufen.

Im Warteraum mit dem jungen Kerl sprechen.

Er muss mit seinem Hund das Bahngelände verlassen, weil er keinen Fahrschein hat.

Der Dunkelhäutige sagt kein Wort.

Unbehaglich habe ich die ganze Aktion verfolgt.

Mich fröstelt, schlage ängstlich meinen Mantelkragen hoch.

Ich atme tief durch.

Fahre erleichtert mit dem Zug nach Witten, mit dem Gedanken, dass der Ausländer vermutet hat, dass ihm jemand geholfen hat!

Ich schlage diesen Text vor als Friedentext des Monats.

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12. Juni 2009 5 12 /06 /Juni /2009 17:56
 

Was also werdet ihr tun im Krieg,

wenn ihr nicht töten wollt?

 

 

- die Toten vom Schlachtfeld holen

wie eine Mutter ihre Kinder von der Spielwiese

die verschmierten Gesichter ihnen waschen

und die Hände

sie trösten weil sie sich gefürchtet haben

umarmen und küssen

ihnen erzählen weil sie stumm bleiben

müdere sind

 

die Toten vom Schlachtfeld holen

wie ein Bruder wie eine Schwester

suchen zwischen den hohen Gräsern

den Sträuchern

in den Gruben und Bächen

rot und feucht noch die Erde

verklebt und geknickt das Gras

die Lider ihnen schließen mit sanfter Hand

ohne Zittern

von ihnen empfangen

 

Toter Mensch

Ich hocke bei dir auf der Erde

Weine auf deine Wunden

Sie sind auch meine nun

Bin ich ganz durchlöchert

Wehte doch der Wind des Jenseits

Durch mich wie durch dich

 

Toter Mensch

Ich flehe dich an um mein Wissen

Läute die stummen Glocken

Meiner Gedanken ...

 

- die Toten vom Schlachtfeld holen

sie einholen vom Feld

scharenweis

kostbarste Ernte

 

- sie heimholen

mit heiliger Behutsamkeit

andächtig knien

bei den Stätten wo sie liegen

Tempel der Zukunft.


Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

 

 

Aus ‚zitternder Himmel’, Möllmann Verlag

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8. Juni 2009 1 08 /06 /Juni /2009 07:18

 

Wie soll man

die Zahl der Toten

eines Krieges

genau feststellen,

verifizieren

wie das heißt.

Wie viele Menschen von einem

Schlachtfeld

in einem

Zeitraum

nicht zurückkommen,

lässt sich zählen.

Klar.

Zumindest auf einer Seite.

Aber vielleicht ist jemand dabei,

der sowieso gestorben wäre.

Der ist doch dann kein Kriegstoter.

 

Und die andere Seite?

Wer zählt deren Gefallene?

Die Sieger sind unsicher:

Was ist besser:

Viele tote Feinde als Erfolg

oder wenige als weitere Bedrohung?

Und sind sie wirklich im Kampf gefallen?

Vielleicht haben die Bösen auf der anderen Seite -

und auf der anderen Seite sind immer die Bösen -

ja Leichen zusammengetragen als Kugelfang?

Und...

sind das auch noch Tote des Krieges,

die erst 48 Stunden nach ihrer Verwundung sterben oder

48 Tage oder

erst Jahre danach?

Wie lange

soll man da mitzählen?

Oder...

sind das auch

Tote des Krieges,

wenn sich Frauen aus Gram über den Verlust ihrer Männer

selbst das Leben nehmen?

Oder wenn sie verhungern?

Oder ihre Kinder?

Ohne dass sie eine Kugel traf?!

Oder der verstrahlte Nachwuchs,

der noch ein paar Jährchen länger lebte?

Oder die Kranken, die

ganz kollateral

kein Arzt heilte, weil der

abfaulende Beine amputieren musste?

Und wenn,

müsste man dann nicht wieder

die geretteten Versehrten in der Rechnung von den Toten

abziehen, denn

die leben ja weiter?

Oder die am vergifteten Brunnen starben...

wer prüft, ob sie nicht sonst auch verstorben wären.

 

Mit einer guten Statistik

wird auch der Krieg

ein besserer.
Also muss der Sieger

gründlich ab-rechnen.

 

Ich kenne nur eine Antwort

und die

kann nicht in der Statistik stehen:

Führte man keine Kriege mehr,

weil niemand geblieben,

der an ihnen verdient,

dann braucht niemand mehr

solche Statistiken fertigen

und die Zahl aller Kriegstoten

in einem Jahrtausend wäre

Null...

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

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5. Juni 2009 5 05 /06 /Juni /2009 15:34


Im Zenit steht die Sonne
ein König ohne Thron
die Hoffnung wartet schon
und vergebens ist sie nicht
wo Schatten ist Licht
umgeben von Wonne
vollkommene Ruh
hören die Massen
vereint alle Klassen
der Stimme zu.

Erwartungen erfüllt
Menschen vereint
erscheint
die Welt umhüllt.


Die neue Zeit
ist endlich da
nun Wirklichkeit
ein Traum wird wahr.


Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.
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4. Juni 2009 4 04 /06 /Juni /2009 11:24

Ein Preis für den Dialog der Religionen

 

ein Araber

ein Jude

und ein Christ

erhalten einen Preis

 

was wie ein Witz beginnt

hat ein ernstes Ziel:

 

den Dialog der Religionen

 

dumm nur,

dass der Araber den Preis nicht will,

aus Protest gegen den Juden

und sich selbst auslädt

 

zwar ist schnell

ein Ersatz-Araber gefunden,

allerdings

wollen den die Christen nicht

und er wird ausgeladen

(wie dieser aus der Presse erfährt)

 

ein Araber

ein Jude

und ein Christ

 

werden so doch

zum Witz

Ich schlage diesen Text vor zum Friedenstext des Monats.

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3. Juni 2009 3 03 /06 /Juni /2009 12:10
als erste  
zivilisierte männer
die sprache der eskimos

untersuchten

vermissten sie 

das wort
frieden
es gab
keines
denn

es gab
nichts
anderes

 

die eskimos
sind
heute
zivilisiert


(aus "Ruhm und Boden", Cenarius-Verlag Hagen 2009)
 
Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.
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3. Juni 2009 3 03 /06 /Juni /2009 10:28

Meine Vögel

den Boden

weiden

an Bäumen picken

im Himmel kreuzen –

 

Bunter grüner

Stockwerksbau

im Überschallknall

wird Katze

Vogelschrei geweckt –

 

Auch hinterm Gartenzaun

Konflikt

kein Hindernis

hält Terror-Krieg zurück

meine Insel kein Versteck –

 

Sei auf der Hut

dass du nicht

Hasskörner sähst

rufst nach rohen Gesellen

Streit und Krieg aufweckst –

 

Unsere Vögel

Böden Bäume weiden

den Himmel kreuzen

pfeifen zwitschern überall

erschreck sie nicht!

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

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23. Mai 2009 6 23 /05 /Mai /2009 06:49


 

Schwarz, Rosé, Gelb und auch Rot

mal farbig, weiß, ist das Gebot.

So sind die Farben dieser Welt,

ist die Menschenwelt bestellt.

 

Refrain:

Wir sind alle Gottes Kinder,

haben`s bisher nicht erkannt:

Der Verstand ist uns gegeben.

Gehen wir alle Hand in Hand.

Steh`n wir endlich miteinander,

lernen lieben unsre Erde,

dass doch endlich Frieden werde.

 

Viele haben sich verrannt,

haben Chancen nicht erkannt

Sehen nicht die Mannigfaltung,

nicht die Vielfalt der Gestaltung.

 

Wir sind alle.....

 

Menschen haben viele Gaben.

Hochkulturen die wir haben,

auf der großen Völkerwelt,

fordern: Pflegt den hohen Wert!

 

Wir sind alle......

 

Glauben und für vieles offen,

woll`n wir endlich Lieben, Hoffen.

Schau`n wir doch genauer hin.

Gemeinsam sind wir reich, voll Sinn.

 

Wir sind alle.....

 

Ja, Schwarz, Rosè, Rot und auch Gelb,

alle Farben dieser Welt.

Sie bevölkern diese Erde.

Geben gegenseitig Werte!

 

Wir sind alle.....

 

Und sind wir dann endlich, schlauer,

betrachten selber uns genauer,

wenn gütlich, wir uns selber lenken,

dann kann uns dieses:  ALLES schenken!


Wir sind alle...

 

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

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15. Mai 2009 5 15 /05 /Mai /2009 11:23
träume steigen wie blüten
und die fragen klingen
wie glasharfentöne
unbeschreiblich
in ihrer singenden klarheit
 

 steh  ich in regenfäden
geschlossener tag
kein schnee keine antworten
die ich lange gesucht habe
 
heute stelle ich fragen
das - lerne ich – hilft weiter
über manchen verlorenen grund
über verletzten doppelten boden

traumnetze lösen sich auf
die windharfensaiten reißen
die glasharfe klingt blutig
und in den straßen schüttelt der krieg

da pflanz ich noch immer
blumen des zorns und der zärtlichkeit
für die menschen
baue häuser und luftschlösser
für den aus- und den inländer
für alle geliebten und ungeliebten

hin und wieder verlier ich den mut
das samenkörnchen
ich hebe es auf und halte es warm
zwischen den händen.

                                                                                      Erstveröffentlicht in der Zeitschrift 'Muschelhaufen'.


Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

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15. Mai 2009 5 15 /05 /Mai /2009 11:17

 

(geschrieben im Finistère, Bretagne)
 

  steh ich am berg
liegt die welt auf dem rücken
 
  

schön ist sie
ein schweigen im glühenden licht 

 
einst verlor sie sich
an den menschen 

es stürmen
wölfe um sie her 
 

atmen das gras
die bilderbogen letzter bäume 
 

reise ich zurück
wenn die sonne 
 

aus dem schatten tritt
über die abendgrenze
 

mit flammender haut
noch einen weg schlagen.

 

 Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats. 

 


Aus ‚Granatapfelzeit’, Verlag neues Literaturkontor, Münster
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