Natürlich. Keiner hatte daran je gezweifelt. Nicht ernsthaft. Und die, die vielleicht nicht so überzeugt von unserer Stärke waren, denen haben wir es bewiesen. Wir haben gewonnen, mit Gottes Hilfe. Okay, es ist vielleicht nicht so schnell gegangen, wie wir dachten oder wie es von uns erwartet wurde. Aber das ist nun mal so im Krieg. Da lässt sich nicht immer alles genau vorausplanen und manchmal treten dann eben Schwierigkeiten auf, mit denen man vorher einfach nicht rechnen konnte. Aber auch mit diesen sind wir fertig geworden. Ja, wir haben diesen Terroristen gezeigt, dass wir nicht mit uns spielen lassen, dass sie uns nicht an der Nase herumführen können. Natürlich werden wir auch noch diesen fürchterlichen Schreckensherrscher finden und vor ein gerechtes Gericht bringen. Das ist alles eine Frage der Zeit. Der feige Hund hat sich davongemacht und in irgendeinem dunklen Loch verkrochen. Aber wir werden ihn schon noch aus seinem Versteck treiben. Er war schließlich von Anfang an ein sehr bedeutendes Ziel bei der Befreiung dieses Landes. Unsere Flagge steht für Recht und Freiheit. Tausende feindlicher Soldaten sind zu uns übergelaufen. Täglich. Es war einfach unglaublich. Dass die Bevölkerung jetzt noch misstrauisch ist, kann ich nicht so recht verstehen. Sie begegnen uns sehr zurückhaltend. Sie müssten doch längst erkannt haben, dass wir ihnen den Frieden gebracht und sie von diesem grausamen Regime befreit haben. Eigentlich müssten sie uns zujubeln. Aber wir werden ihnen schon zeigen, was Demokratie ist. Und wenn sie das erst einmal von uns gelernt haben, können sie das Schicksal ihres Landes wieder selbst in die Hand nehmen. Es ist ein gutes Gefühl, den Menschen zu helfen. Auch wenn Tausende dagegen demonstriert haben, verhindern wollten, dass wir einmarschieren, konnten sie uns doch nicht vom rechten Weg abbringen. Nun müssen selbst die schärfsten Gegner dieses Krieges zugeben, dass der Präsident die richtige Entscheidung getroffen hat. Dass er keine andere Wahl hatte. Natürlich ist kein Mensch scharf darauf, Krieg zu führen. Ich wäre jetzt auch lieber daheim bei meiner kleinen Frau und der süßen Lilly. Bis zuletzt habe ich, wie alle anderen, darauf gehofft, dass sich dieser Konflikt auf friedliche Weise lösen lässt. Aber das Wissen, dieser kranke Tyrann sitzt auf Massenvernichtungswaffen, ließ doch überhaupt keine andere Möglichkeit mehr zu. Wenn ich mir vorstelle, was der damit alles anrichten kann. Oh mein Gott! Es darf keinen 11. September mehr geben! Es sieht teilweise schon recht verwüstet aus, muss ich zugeben, wenn ich so aus dem Fenster des Geländewagens schaue. Natürlich werden wir hier auch beim Aufbau helfen. Das hat der Präsident ja bereits zugesichert. Es ist alles ziemlich trocken und der Wagen vor uns wirbelt eine mächtige Staubwolke auf. Trotzdem ist das Land irgendwie faszinierend. Keine Menschenseele ist zu sehen. Schon seit vier Stunden sind wir unterwegs und haben keinen einzigen Einheimischen gesehen. Aber das überrascht mich nicht. Der Major sagte, dass der Weg zum Treffpunkt C von allen feindlichen Truppen gesäubert und vollkommen in unserer Hand ist. Außerdem wäre jetzt mit Sicherheit kein feindlicher Soldat mehr so verrückt, sich mit unserer Übermacht anzulegen. Wir haben den Krieg gewonnen! Gott ist auf unserer Seite! Natürlich hat der Major Recht. Nach unserem großen Sieg gibt es nur noch ein paar Unruhen im Süden des Landes, aber das ist nicht der Rede wert. In kürzester Zeit werden unsere Truppen auch diese Region vollkommen in den Griff bekommen. Wir können wirklich stolz auf uns sein. Es gab nur geringe Verluste auf unserer Seite. Und solche Sachen, wie die mit dem Hubschrauberabsturz vor ein paar Tagen, können immer mal passieren. Es war ein Unglück und wir sind alle traurig über den Verlust der Kameraden. Aber technische Defekte kann es bei Übungsflügen in der Heimat auch geben. Das hat doch nichts mit dem Krieg zu tun, auch wenn es diese unfähigen Pressefritzen überall schreiben. Die haben doch alle keine Ahnung! Phuu, ist es in diesem engen Gefährt so heiß. Die Sonne brennt auf das dunkle Wagendach und zwischen den Felsen ringsum gibt es so gut wie keinen Schatten. Hat sich da vorne nicht grade etwas bewegt? Nein, muss eine Täuschung gewesen sein. Oder vielleicht ein einsames Wüstentier. Ich hoffe, wir sind bald da. Langsam bekomme ich Hunger. Oh mein Gott! Was ist das für ein Lärm? Sind das Gewehrsalven? Ja, Maschinengewehrfeuer! Wo kommt das her? Ah, zwischen den Felsen sitzen sie! Ich muss an meine Waffe. Wo fährt denn der Wagen vor uns hin? Er kommt vom Weg ab. Oh mein Gott, er hat Feuer gefangen! Ich komme nicht an mein Gewehr ran. Das Glas splittert. Überall schlagen die feindlichen Geschosse ein. Mike, der Fahrer, schreit ins Funkgerät. Ich kann ihn nicht verstehen. Mein Arm, oh Gott, mein Arm! Warum halten wir an? Mike? Mike? Er liegt reglos über dem Lenkrad, alles ist voller Blut. Kein feindlicher Soldat ist so verrückt, sich mit unserer Übermacht anzulegen. Ich kann meine Beine nicht mehr spüren. Meine Uniform ist überall nass und rot. Ist das etwa mein Blut? Gott ist auf unserer Seite. Ich fühle keinen Schmerz mehr. Mir wird kalt. Wir haben doch gewonnen...... gewonnen.......