Mein Sohn Alexander kam zu mir und fragte, warum ständig Krieg wäre und warum es keinen Frieden gäbe und sich Menschen einfach gegenseitig umbringen.
Ich sagte ihm: Frieden wird es dann geben, wenn die Menschen ihre eigene Dummheit einsehen.
Und wann wird das sein?
Ich musste nicht lange überlegen und antwortete: Nie.
Aber ich fühlte mich unendlich schlecht bei dieser Antwort, wusste jedoch auch, dass ich meinem Sohn keine Lüge auftischen durfte. Vielleicht würde er irgendwann in einen sinnlosen Krieg ziehen müssen für ein ebenso sinnloses Ziel, das an einem grünen Tisch beschlossen wurde und das mit Menschenleben aufgewogen werden würde.
Könnte ich ihm dann helfen? Ich würde alles tun, um ihn davor zu bewahren!
Worte wie Kanonenfutter kamen mir in den Sinn.
Aber wenn man dumm ist, kann man doch zur Schule gehen und was lernen, Mama.
Alexander schaute mich an und runzelte nachdenklich die kleine Stirn.
Um in Frieden leben zu können ist es wichtig, den anderen Menschen so zu akzeptieren wie er ist und man muss bereit sein, ihn verstehen zu wollen. Das kann man auch in der Schule lernen, wenn man gute Lehrer hat, antwortete ich leise.
Mama, ich kenne das Wort. Es heißt Toleranz! Ich nickte Alexander lächelnd zu und wünschte mir, dass die großen Bosse dieser Welt das Wort auch genauso gut kannten wie mein 11-jähriger Sohn.
Toleranz ist das Wichtigste, was wir euch Kindern mitgeben können. Nur was man von Klein auf an vorgelebt und erklärt bekommt, kann man als Erwachsener später umsetzen!
Haben die Erwachsenen das denn alle nicht gelernt, als sie klein waren? Warum will immer einer stärker sein als der andere?
Alexander, das ist eine gute Frage. Das liegt wohl in der Natur des Menschen.
Ich bin nicht der Meinung, dass Frieden mit Zwang zu tun hat, indem der Schwächere dem Stärkeren unterliegt und nachgibt. Frieden hat mit Freiheit der Entscheidung zu tun.
Wie meinst du das, Mama?
Na, mit der Freiheit Nein zu sagen. Nein, ich will keinen Krieg. Krieg ist ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.
Wer ist der Gegner?, wollte Alexander wissen.
Andere Länder, andere Parteien, deine Mitmenschen. Denke nur mal allein daran, wie viel Gewalt es in den Schulen gibt. Das ist auch schon eine Art von Krieg.
Warum tun die Politiker denn nichts dagegen und reden miteinander?
Schwache Parteien, schwache Regierungen, Alexander. Das gab es immer wieder in der Geschichte. Aus unserer Geschichte können wir lernen.
Ja, das mit Hitler meinst du, nicht wahr?
Auch das, ja. Sicher. Es ist wichtig, dass die heutigen Generationen wissen, was in der Vergangenheit war und aus was wir hervorgegangen sind. Welche Qualen für unsere Freiheiten durchgestanden wurden. Ja, wir alle reden so selbstverständlich von unserer Freiheit. Aber viele Menschen mussten dafür sterben auf beiden Seiten!
Gibt es einen gerechten Krieg, Mama?, wollte Alexander wissen. Wenn einer mir meine Freiheit nimmt, muss ich mich da nicht wehren dürfen?
Kriege können niemals gerecht sein, weil es immer Verlierer gibt, die im Zweifel mit dem Wertvollsten zahlen, was sie haben ihrem Leben. Ja, du darfst dich wehren dürfen, aber du musst die Mittel, die du einsetzt so wählen, dass niemand sterben muss.
Alexander grübelte.
Das ist aber schwer, Mama, meinte er seufzend.
Frieden, mein Sohn, sagte ich, Den musst du vor allen Dingen in dir selber tragen. Alle Möglichkeiten dieser Welt liegen in deinen Händen. Wenn du sie verändern kannst und willst, verändere sie zum Guten. Bemühe dich, auch wenn das Böse anscheinend Überand gewinnt. Wenn du aufgibst, für Freiheiten einzustehen, ist der Frieden und damit die Welt verloren. Solange du da bist und viele andere Menschen, die so denken, hat Frieden, das Verständnis, die Brüderlichkeit und das Menschsein eine Chance!
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Rena Larf, Autorin, Literaturinterpretin, Freie Redakteurin "Elfenschrift"
Exklusive Leseabende - FINE DINING STORIES,
"Ich schlage diesen Text als Friedenstext des Monats" vor.