Overblog Alle Blogs Top-Blogs Lifestyle
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Wettbewerbstexte als Demonstration gegen deutsche Kriegsbeteiligung

Werbung

Robert Göbel: Die Umarmung

    Mir fehlte noch das Geschenk für Alfons zur Schuleinführung am 01. September . Ich war in Eile an diesem frühen Abend. Raus aus der U-Bahn und hoch auf den Alex, Richtung  Galeria Kaufhof. Links vor dem Haupteingang blieb ich stehen. Ich wusste, hier stehen oft urige Typen: Musikmacher, Schluckspechte, Schmuckverkäufer. Seit langer Zeit gewohnte Bilder.

 

Aber das hier war etwas anderes. Da standen vier nicht mehr ganz junge Frauen vor der Schaufensterfront. Drei von ihnen hielten vor ihren Körpern zwei weiße Bettlaken straff gespannt in den Händen. Die Bettlaken waren mit schwarzem Filzstift von oben bis unten und von links bis rechts in ungelenker Schrift, aber gut lesbar, beschrieben.  Alle Kriege der Neuzeit mit Jahreszahl und der Zahl der getöteten Menschen, bis zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan.  Auch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki waren dabei. Die vierte Frau hielt ein einfaches Pappschild in der Hand: ...beendet die Kriege. Steckt das Geld in die Bildung und in die Ausbildung der Jugend... Alles kurz und knapp, provisorisch.

 

Ich trat näher und fragte die Frau in der Mitte, wer  sie sei.  Sie schaute mich an und sagte: „Wir sind von der Vereinigung Mütter für den Frieden, wir gehören keiner Partei an.“ Nachdem ich den Haupteingang passiert hatte, hielt ich an, drehte mich um und eilte zurück. Ich umarmte die Frau in der Mitte.  Die Frau lächelte und meinte: „Schön, das uns jemand mal auf solche Weise zustimmt.“


Ich schlage diesen Text als "Friedenstext des Monats" vor.

Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
N
Ein sympatischer Beitrag. Einfache Aussage: Trau dich, Solidarität auch ganz menschlich zu zeigen.<br /> Danke
Antworten