Wettbewerbstexte als Demonstration gegen deutsche Kriegsbeteiligung
Aber das hier war etwas anderes. Da standen vier nicht mehr ganz junge Frauen vor der Schaufensterfront. Drei von ihnen hielten vor ihren Körpern zwei weiße Bettlaken straff gespannt in den Händen. Die Bettlaken waren mit schwarzem Filzstift von oben bis unten und von links bis rechts in ungelenker Schrift, aber gut lesbar, beschrieben. Alle Kriege der Neuzeit mit Jahreszahl und der Zahl der getöteten Menschen, bis zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan. Auch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki waren dabei. Die vierte Frau hielt ein einfaches Pappschild in der Hand: ...beendet die Kriege. Steckt das Geld in die Bildung und in die Ausbildung der Jugend... Alles kurz und knapp, provisorisch.
Ich trat näher und fragte die Frau in der Mitte, wer sie sei. Sie schaute mich an und sagte: „Wir sind von der Vereinigung Mütter für den Frieden, wir gehören keiner Partei an.“ Nachdem ich den Haupteingang passiert hatte, hielt ich an, drehte mich um und eilte zurück. Ich umarmte die Frau in der Mitte. Die Frau lächelte und meinte: „Schön, das uns jemand mal auf solche Weise zustimmt.“
Ich schlage diesen Text als "Friedenstext des Monats" vor.