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Wettbewerbstexte als Demonstration gegen deutsche Kriegsbeteiligung

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Silvia Neubauer: Das magische Herz

 Es war einmal ein kleines Herz. Eines Tages erwachte es in einer Welt, die grau und trist war. Der Krieg, der Hass, der Neid und die Gier hatten seit Jahrhunderten in dieser Welt gewütet und ein Chaos hinterlassen, das unbeschreiblich war. Das kleine Herz war traurig über das, was es sehen musste, denn tief in sich drin wusste es, dass das nicht richtig sein konnte. Es ging durch die Straßen, die voll waren von verschütteten Leichen, blutüberflutetem Asphalt und schreienden oder weinenden Menschen, die um ihre Verstorbenen klagten. Der Himmel war schwarz und es regnete unaufhörlich und jede Sekunde starb ein Weiterer der wenigen Überlebenden des Desasters, das sich vorher hier abgespielt haben musste. Das Herz beobachtete das alles ganz genau, ging langsam weiter, hielt immer wieder an, da es Kraft sammeln musste, um den nächsten Schritt zu tun, da es so verzweifelt war und weinte dann auch immer ganz leise. Nach einiger Zeit, dem kleinen Herz kam es wie eine Ewigkeit vor, da sah es inmitten dieser höllischen Szene ein kleines Mädchen sitzen, das einzige Menschlein hier, das Farben an Gesicht und Kleidung trug. Das Herz kam auf das kleine Mädchen zu, das sehr geschwächt war und sah es lange an, so schön waren ihre Farben, so leuchtend saß es da in ihrem Eckchen und strahlte ein kleines Licht von Hoffnung in die Welt hinaus. Das Mädchen sagte erst nichts, es blickte das Herz nur an und flüsterte: "Warum bist du grau? Herz, du bist rot. Du musst doch rot sein!" Und das Herz sah an sich herunter und stellte erschrocken fest, dass nicht nur die Welt um es herum, sondern auch es selbst grau war. Es weinte und sah das Mädchen mit ihren schönen Farben hilflos an. Das Mädchen lächelte kurz, streichelte das Herz für einen Moment und fing an zu singen. Es sang so wunderschön, so rein und unschuldig, so frei und leicht, so hell und klar, von Blumen und Liebe und Friede und Freiheit, dass die Zeit für einen Moment anhielt, die Welt für einen kurzen Augenblick still stand und das Wimmern, Schluchzen und Schreien in den verwüsteten Straßen für eine Weile aussetzte. Alle und alles noch Lebende lauschten diesem unbeschreiblichen Gesang und vergaßen für diese Zeit die Hölle, in der sie lebten. Das Herz war glücklich, bis das Mädchen aufhörte zu singen. Dann lächelte das Mädchen ihr Herz ein letztes Mal an und starb. Ihre Farbe verblich, doch in diesem Moment erstrahlte das Herz in einem wunderschönen Rot zwischen all dem Schwarz und Grau. Da hatte es Mut gefasst, da hatte es etwas in sich, das weitergegeben werden musste und es brach auf, zog durch die triste Welt und sang und sang und sang. Und je öfter es sang, umso mehr Farben kehrten zurück, umso weniger Leid war mehr zugegen, umso mehr Sonne drückte sich langsam durch die schweren Wolken auf die Welt zurück und vertrieb nach und nach den Regen. Die Menschen fingen wieder an, alles Zerstörte aufzubauen, sich gegenseitig die Hände zu reichen, zusammen zu helfen, sich zu trösten und Schritt für Schritt schufen sie Dank des magischen Herzens eine ganz neue Welt, voll Sonnenschein und Liebe. Bald war alles so paradiesisch, dass sich niemand mehr an die schreckliche Zeit zurück erinnern konnten und alle gemeinsam und friedlich miteinander lebten. Das Herz hatte seine Aufgabe erfüllt und war überglücklich und wanderte zu dem Ort zurück, wo ihm das Mädchen diese Magie übergeben hatte, um still an sie zu denken. Dort saß das Herz nun und bedankte sich, summte leise das Lied vor sich hin, das das Mädchen ihm beigebracht hatte und bete für sie. Das Herz war so in seine Stille vertieft, dass es gar nicht bemerkt hatte, wie zwei Menschen ganz in der Nähe einen Streit angefangen hatten, in dem es darum ging, ob die Kinder der Nachbarschaft nun auf der großen Gemeinschaftswiese spielen dürfen oder nicht. Der Streit war so laut, dass sich mehr und mehr Leute einmischten, letztendlich auch die Eltern der umstrittenen Kinder und sich zwei große Gruppen bildeten im Laufe des Vormittags, die sich Mittags schon den Tod drohten und sich Abends mit Steinen bewarfen. Das Herz erwachte erst nachts aus seinem innigen Dankesgebet und sah, wie die ersten Häuser in Flammen aufgingen. Wild schreiend rannte es auf die riesige Schlacht zu, um zu verhindern, was nicht mehr zu verhindern war. Doch die Menschen hörten das Herz nicht, sie waren viel zu erfüllt von Hass, Neid und Gier und kämpften nur noch des Kampfes wegen, da sie den eigentlichen Auslöser für diesen Krieg schon längst aus den Augen verloren hatten. Das Herz stürzte sich in die Menge und erhob flehend die Stimme, doch niemand hörte oder sah es. Sie überrannten es, stampften mit ihren schweren grauen Stiefeln darauf herum, so lange bis es tot war. Erst als der Morgen graute und die Menschen müde wurden, da stellten sie entsetzt fest, dass alles in Schutt und Asche lag und nur wenige überlebt hatten. Die Welt war wieder grau und schwarz und erfüllt von dem Gewimmer der Überlebenden. Das einzige farbige Etwas klebte verschmiert auf dem Asphalt, eine Lache aus Blut, das letzte Rot das diese Welt noch besaß. Da erinnerten sich die Menschen an das kleine Herz, das man dort brutal zu Tode getrampelt hatte und sie weinten noch mehr und klagten noch lauter. Irgendwann verblasste das Rot und der unaufhörliche Regen wusch die Reste komplett weg. Und die Erinnerung an das magische Herz erlosch genau so, wie die Erinnerung an das singende Mädchen.

Ich schlage diesen Text als Friedenstext des Monats vor.
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