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Wettbewerbstexte als Demonstration gegen deutsche Kriegsbeteiligung

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Ulf Kreth: Die Zündschnur

 Wie immer saß er auf seinem Stein, starrte auf den Boden und döste glücklich vor sich hin. Die Zündschnur, die vor ihm lag, schwarz und dünn, wollte er nicht bemerken. Er saß da auf seinem Stein; schon seit Stunden, Tagen, Wochen, Jahren, nahezu sein gesamtes Leben lang. Apathisch blickte er von Zeit zu Zeit in die Luft, um dann wenig später wieder den Fixpunkt auf dem Boden mit derselben Gleichgültigkeit wie zuvor anzuglotzen; vorbei an der Zündschnur, die sich ihm doch so offen präsentierte, die er dennoch nicht sehen wollte.

Neben ihm saßen noch viele andere; sie saßen wie er auf dem gleichen Stein, und vor allen rekelte sich die Zündschnur; doch auch keiner der anderen wollte sie entdecken. Es wäre keineswegs schwierig gewesen, sie zu erfassen; sie schlängelte sich an Jedermanns Stein entlang.

Wieder vergingen viele Jahre, und es kam nun vor, dass immer öfter jemand von seinem Stein aufsprang und auf die Zündschnur deutete, seinen Nachbarn auf dieses schwarze, lange Ding aufmerksam machte. Nicht selten schrie gar jemand in panischer Furcht auf, malte sich und seinen Nachbarn aus, was passieren mochte, wenn durch Zufall oder böse Absicht die Zündschnur einmal entfacht würde. Viele ängstigten sich nun, doch wurden sie rasch und allzu mühelos wieder beruhigt und setzten sich zumeist auch bald zurück auf ihre Steine, um erneut ohne wirkliche Teilnahme auf den Boden oder in die Luft zu blicken; nicht wenige schlossen sogar ihre Augen, mag es sein, dass sie ihr Unbehagen zerschlafen wollten oder einfach nur, um nicht mehr an ihre Umgebung erinnert zu werden.

Eines Tages jedoch saß er auf seinem Stein, starrte auf den Boden und döste vor sich hin, als ein kleiner Funkenregen seine Füße entlang kroch; langsam, aber stetig. Benommen schaute er der Wanderung zu, bis er erkannte, dass es die Zündschnur war, die durch unbekannte Quellen entfacht worden war und konstant an Länge verlor. Er sprang auf, seine Beine waren taub vom langen Sitzen, und alarmierte seine Nachbarn. Gemeinsam liefen sie der Spur der verbrannten Zündschnur hinterher, währenddessen sie allen, auf die sie trafen und die sich noch nicht erhoben hatten, das Unglück mitteilten. Viele davon blieben sitzen, entweder weil sie den Alarmierenden keinen Glauben schenkten, sie als hysterische Lügner bezeichneten, oder einfach überhaupt kein Interesse an ihrer Umwelt besaßen. Und das, obgleich auch vor ihnen die Spur der versengten Schnur lag!

Die Verfolger jedoch liefen einen ganzen Nachmittag lang bis in den Abend hinein, und als sie endlich nach Sonnenuntergang in nicht allzu weiter Ferne das helle Leuchten der Funken entdeckten, die unverdrossen an der Substanz der Zündschnur fraßen, fühlten sie ihre Erschöpfung und meinten, sich zu nun eine Pause gönnen zu können, da das Ziel derart nahe läge. Somit setzten sie sich auf in der Gegend herumliegende Steine. Kaum hatte der letzte dieser Gruppe auf dem ihm gewohnt harten Untergrund Platz genommen und war im Begriff, es seinem Nachbarn gleichzutun und sich einem neue Kräfte spendenden Schlaf hinzugeben, vereinten sich Anfang und Ende in einem einzigen, unmenschlich hellen Blitz.

  Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

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