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Wettbewerbstexte als Demonstration gegen deutsche Kriegsbeteiligung

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Michael Pand: Mozartkugeln für Arafat

Alles mit Maßen sagte der Schneider und schlug seine Frau mit der Elle tot

(deutscher Sinnspruch)

 

 

 

Knapp vor meiner Abreise ins so genannte Heilige Land nuschelte der Medienkünstler Peter Weibel im TV, dass es „medientheoretisch den staunenswerten Unterschied gibt zwischen der Wirklichkeit einerseits und unserem prozessierten Weltbild andererseits, weil letzteres heutzutage ausschließlich durch Medien vermittelt wird“.

Oder sind sie schon jemals „aus „Sicherheitsgründen“ gar nicht an Bord ihres Flugzeuges gekommen? Wurde ihnen schon jemals ihre Digitalvideokamera konfisziert? Mit einem Wort: waren sie überhaupt schon in Israel?

 

Wenn nicht, so die hier extrapolierte These Weibels, werden sie nach Lektüre dieser Reportage auch nicht klüger in bezug auf das Delirium in welchem das Heilige Land, Israel und Palästina, seit Jahrzehnten trostlos verharrt. Sie werden nur reisetechnisch „informiert“. Aber, so verspricht es der Schreiber: mit dem Anspruch unparteiischer Fairness; anhand einer alten Redeweise welche man bereits vor dreitausend Jahren in Mesopotamien in den Stein schrieb. Der archaische Befehl eines Königs an seinen Boten lautete: „ Füge nichts hinzu - aber lasse auch nichts weg“; voilà .

 

Zuerst verweigerte mir El Al (Israel Airlines) in Wien-Schwechat die Mitreise über Tel Aviv

nach Bangkok mit der Begründung, ich hätte ein Visum für Thailand vorzuweisen. Mein überraschter Einwand, der aufgrund oftmaliger Besuche im Königreich Siam gestützt war: „Visa not required for a max. stay up to 30 days provided“, der auch schwarz auf weiß als Computerausdruck vorlag, wurde zwar von der Air Crew lesend zur Kenntnis genommen, doch es reichte nicht als Argument für meine Mitreise. Schließlich wurde die thailändische Botschaft in Wien angerufen und offiziell bestätigt, dass ich seitens der thailändischen Behörden kein Visum bräuchte.

Da an dem Tag nur insgesamt 9 Personen den Flug Wien- Tel Aviv gebucht hatten, kam der Kapitän persönlich zum Check- In und schlug mir einen Deal, eine spontane Ausnahmeregelung vor: ich soll bei der Thailändischen Botschaft in Tel Aviv ein Visum fürs Königreich Thailand machen; dann, und nur dann würde er mich mitnehmen. Besser als überhaupt nicht mitzufliegen, zumal das Ticket 800 Euro gekostet hat, fügte ich mich nolens volens der unsinnigen Anordnung.

Anschließend wurde meine Digitalkamera inspiziert und das von Israel nach Schwechat eigens eingeflogene, israelische Sicherheitspersonal, das ziemlich schlecht Englisch sprach, stellte die nächste Bedingung:

“Camera stay in Vienna, you can go on bord”. Man wollte meine Digitalvideokamera in einem Speziallabor untersuchen lassen und sie mir irgendwann: "in a few days maybe“, in Jerusalem zustellen. Doch es sollte kein Protokoll, weder über Typ noch Verbleib der Kamera (Seriennummer etc) angefertigt werden, weil: „you can trust us“.

 

Nun verweigerte ich das lachhafte Sicherheits-Spiel und wurde deshalb von EL AL, aus Security -Gründen auf die AUA(Austrian Airlines) am nächsten Tag umgebucht.

Solches aber zieht automatisch Ermittlungen verschiedener höherer Instanzen, sowohl bei den israelischen Behörden, dem Geheimdienst, aber auch bei österreichischen Behörden nach sich. Schon beim Verlassen der Abfertigungshalle in Wien-Schwechat kam die österreichische Flughafenpolizei auf mich zu: „sind sie vielleicht der Herr …?“ Meine Reisedokumente wurden ans Innenministerium weitergeleitet und überprüft. („T´schuldigung - reine Routine“). Die AUA, die den Unterschied zwischen einem Touristen und einem Terroristen vergleichsweise besser im Programm hat, akzeptierte mich am nächsten Tag als zahlenden Fluggast mit Kamera. Bei der Einreise in Tel Aviv warteten bereits zwei, diesmal nicht uniformierte jüngere Herren auf mich, die sich als „Security-Police“ vorstellten. In einem verschlossenen Raum, immerhin noch innerhalb des Flughafengebäudes, wurde sofort mein komplettes Gepäck von acht jungen Männern und Frauen de-konstruiert; mein Anus mit Gummihandschuhen inspiziert und mit einer Taschenlampe ausgeleuchtet. Das dauerte etwa zwei Stunden, danach brachte man mich und das Gepäck in einen anderen, ebenfalls abgeschlossenen, fensterlosen Raum um von den beiden, nicht unfreundlichen Herren mit mäßigen Englisch -Kenntnissen noch zwei weitere Stunden über mein Leben in Wien-Landstrasse im allgemeinen, meine freiberuflichen Tätigkeiten, meine gespielten Rollen als Schauspieler, und über meinen Freundeskreis von Bangkok bis Los Angeles intensiv befragt zu werden. Alle von mir gemachten Aussagen wurden in Hebräisch zu Protokoll genommen und mir anschließend zur Unterschrift vorgelegt.

Nach insgesamt 4 Stunden, gerechnet von der Ankunft, war alles überstanden, ich durfte den Flughafen verlassen und nach Jerusalem weitereisen, ausgestattet mit dem letzten Hinweis: „Do not go to the territories (fahren sie nicht in die besetzten Gebiete) „ We are from security, but in this aerea military law is responsible for you. (wir sind von der Geheim/Sicherheitspolizei, dort aber ist das Militärrecht für sie zuständig).

 

Mein deutscher Freund in Jerusalem ist Entwicklungshelfer für Palästina und hat einen offiziellen Dienstpass. Jeden Tag muss er mit seinem Auto vorbei an den Checkpoints. Ich riskierte dann doch mit ihm den Übergang in die Westbank, denn ich wollte nach Ramallah um den seit Jahren unter Hausarrest lebenden greisen Arafat zu sehen, am besten gleich ein Foto und ein Interview mit ihm machen und deshalb besorgte ich seine Lieblingsmusik, Franz Schubert „Die Unvollendete“ und schleppte drei Kilo Mozartkugeln als symbolisch- weihnachtliche Friedensmunition mit mir herum.

Hinein in die besetzten Gebiete ging es übrigens sehr einfach, damals war die Mauer in Ostjerusalem noch nicht gebaut, das israelische Militär beachtete niemand der ins Ghetto fuhr, hatte vielmehr alle Hände voll zu tun die Palästinenser , die zur Arbeit nach Israel fahren bei der Ausreise zu überprüfen.

Leider bin ich im Ernstfall ein eher feiger Mensch. Wenige Stunden vor meiner Ankunft wurden in der kleinen Hauptstadt Palästinas, in Ramallah, vier Palästinenser vom israelischen Militär erschossen, außerdem noch ein etwa 9jähriger Junge. Zwei von den getöteten Palästinensern, angebliche Hamas Leute, wohnten in einem schönen Haus das in halber Schussweite, 300 Meter vom deutschen Entwicklungshilfebüro DED entfernt war. Ihre einstöckige Villa, ebenso der Garten und die Olivenbäume wurden, nachdem alle Verdächtigen erschossen waren und das Militär abgezogen war, noch am selben Nachmittag mit einem Bulldozer von Israelis demoliert. Ich machte einige Dias. Unmittelbar daneben ist ein Kindergarten. Eine alte palästinensische Frau zeigte mir alle von ihr eingesammelten Patronenhülsen. Da ich schon von dem toten Kind wusste und wir genau vor dem benachbarten Kindergarteneingang standen, hörte ich mich sinnlos fragen, wie das mit dem Kind gewesen wäre: „was this child from that house or from Kindergarden?“

 

Und hier ist die textkritische Stelle wo man verstehen kann, dass alle Bemühung um Objektivität, um „Wahrheit im medialen Bereich“ keinen Unterschied mehr macht, weder für das Kind, noch für dessen Geschwister oder die Eltern. Ich konnte, wollte nichts mehr weiter recherchieren und hatte sowieso die Hosen voll. Was tue ich hier ?. Fort, nichts wie fort; in 3 Tagen geht mein Weiterflug nach Thailand, tschüss mit Rosen, was gehen mich diese erschossenen Palästinenser oder deren Kinder oder die jüdischen Siedler in den besetzten Gebieten eigentlich an? Die Mozartkugeln gab ich im palästinensischen Wirtschaftsministerium ab, meine teure Kamera ließ ich vorsichtshalber bei dem deutschen Entwicklungshelfer, es sollte genügen wenn ich sie später am Retourweg, von Bangkok mit einem Tag Aufenthalt in Tel Aviv, mitnähme.

 

 

 

In Thailand versuchte ich mit der österreichischen Botschaft in Tel Aviv Kontakt aufzunehmen. Da ich das Prozedere in Israel als Individualreisender bereits kennen gelernt habe, ahnte, nein wusste ich, dass es bei der Rückreise mit EL AL zuerst nach Tel Aviv, dann die Kamera in Ostjerusalem abholen, dann Weiterflug nach Wien, zu Schwierigkeiten kommen wird, kommen muss. Eine hochempfindliche Digitalkamera die mehrfach vom Airport Security Personal in alle Einzelteile zerlegt wird geht notwendig kaputt. Deshalb bat ich das Austrian Embassy meine Kamera als „Diplomatengepäck“ oder wie immer, jedenfalls auf eigene Kosten nach Wien zu senden. Oder zumindest zu versiegeln, damit sie nicht ein weiteres Mal von den israelischen Behörden dekonstruiert wird. Aber die Österreichische Botschaft antwortete zuerst gar nicht, dann negativ: „ man könne mir leider in der Sache nicht helfen“.

 

Bereits 10 Stunden vor dem Einchecktermin war ich am Ben Gurion Airport. Dort wurde mir die Videokamera (Neupreis 5000 Euro) aus „Sicherheitsgründen“ konfisziert. Nach einer gründlichen, 3 Stunden dauernden Leibesvisitation, - ich musste mich wieder völlig nackt ausziehen, das Gepäck wurde wieder atomistisch auseinander genommen, - lautete die israelische order : You can go on board, camera stay in Israel“ . Da ich angesichts von Uniformierten mit Maschinengewehren ein eher uncouragierter, um nicht zu sagen feiger Mensch bin, brachte man mich widerstandslos zum Gate. Die einzige Verteidigungsmöglichkeit in einer solchen Situation wäre es, das Mitfliegen beharrlich zu verweigern. Und zwar so: Im Untersuchungsraum einfach sitzen zu bleiben, streiken, sich keinen Millimeter von der Stelle rühren und wie ein Geisteskranker wiederholen : „I go---with my videocamera“ . Da in der Warschauer Konvention für zivile Flugreisen das prinzipielle Recht auf „Reisen mit Kamera“ festgelegt ist, wäre mir schwerlich was vorzuwerfen gewesen.

 

Dann, und nur dann, wenn man das Boarding verweigert, steht bei der EL AL alles kopf. (Das Flugzeug darf in so einem Fall überhaupt nicht starten, alle Passagiere müssen auf eine andere Maschine umgebucht werden). Die österreichische Botschaft in Tel Aviv und das Außenamt in Wien hätten einen Präzedenzfall mehr gehabt, denn ich wäre natürlich verhaftet worden; andererseits: ein neues Ticket mit der AUA wäre deutlich billiger als die zurück gelassene Videokamera. Es war eine lange, stressige Nacht gewesen und alle möglichen Verhaltensweisen gingen mir wie auf einer kaputten CD gleichzeitig durch den Kopf. Der Abflug war für 7 Uhr früh geplant. 4 Stunden vorher muss man sowieso zum Einchecken kommen, um 3 Uhr morgens gibt es aber keinen öffentlichen Transport von Jerusalem nach Tel Aviv. Daher war ich schon um 9 Uhr abends am Ben Gurion Airport. Bis Mitternacht konnte man Kaffee trinken und was essen, aber sofort erregt ein Einzelreisender, der sich von einer Wartebank auf die andere schleppt die Aufmerksamkeit der Hundertschaften vom Security-Personal, von dem sich ohne Übertreibung sagen lässt, dass das Verhältnis der Abreisenden zum Security Service 1:1 beträgt Schließlich wurde ich nochmals in einem abgeschlossenen Raum befragt und musste zugeben, dass ich meine Kamera im Dezember nicht von Israel nach Thailand mitgenommen hatte, sondern 2 Monate in Jerusalem, im Haus eines deutschen Diplomaten deponierte. Da schrillten alle Alarmglocken bei den Israelis. Die Airport-Security ist militärisch-hierachisch organisiert, niemand von dem relativ jungen Personal wagt es, etwas in Eigenverantwortung zu riskieren, auch wenn man sieht dass die Kamera einwandfrei funktioniert und offensichtlich keinen Sprengstoff enthält. Deshalb kam der Entscheid, die Kamera zu beschlagnahmen. Ich hatte zudem ein vom israelischen Militär demoliertes Haus und die Mauer gefilmt, was mich zusätzlich verdächtig machte.

 

 

Schon sah ich mich festgenommen und konnte mir ausmalen, was nun weiter passieren wird: die österreichische Botschaft wird verständigt, ein Diplomat wird mich befragen, warum ich das Boarding verweigert hätte. Aber auch die Security-Police wird sich was einfallen lassen. Zum Beispiel könnten sie mir vorwerfen, dass ich in den besetzten Gebieten, in Ramallah war und die internationale Rechtslage, ob ein Tourist da überhaupt hinreisen und filmen darf, ist völlig ungeklärt. Dass einige palästinensische Taxifahrer in Ostjerusalem meine Kameratasche berührten, kann ich niemals ausschließen, ebenso nicht, dass der eine oder andere Fingerabdruck von einem „Verdächtigen“ auch auf meinem Gepäckstück wäre. Damit hätte die israelische Seite ihre Aktion, es handelt sich ja immer nur um „Sicherheitsmaßnahmen“ voll begründet; abgesehen davon können sie im eigenen Land rechtlich machen was sie wollen und niemals würde mir die Republik Österreich zu Hilfe eilen. Daher ließ ich mich widerstandslos an Bord bringen.

 

 

 

5 Tage nach meiner Rückkehr in Wien und nach etlichen Telefonaten mit dem Außenamt, bzw. mit der EL AL wurde mir die Kamera zugestellt, verpackt in einem Schuhkarton, sehr stark beschädigt, so wie befürchtet. Das Objektiv hing nur mehr an zwei Schrauben lose herab.

 

Obgleich einige namhafte Persönlichkeiten und Institutionen (Kulturamt der Stadt Wien,ebenso Altbürgermeister Dr. Helmut Zilk) die EL AL zum Schadenersatz aufforderten weigerte sich Israel Airlines seit 3 Jahren beharrlich die Reparaturkosten ( 960 €) zu ersetzen. Eine Zivilklage gegen den Staat Israel ist aussichtslos.

 

Verglichen mit den lebensgefährlichen Friedensaktivitäten eines Uri Avnery von Gush Shalom (Friedensblock), den ich in Tel Aviv besuchte, verglichen mit der jahrzehntelangen Demütigung des palästinensischen Volkes sind diese vom Staat Israel beziehungsweise von EL AL verursachten Gesetzwidrigkeiten an zivilem Eigentum marginal, geradezu lächerlich.

  ,,Von allem Geschriebenen liebe ich nur das, was einer mit seinem Blute schreibt. Schreibe mit Blut: und du wirst erfahren, dass Blut Geist ist.“ (Friedrich Nietzsche )

 

Nachsatz: Der Schreiber war nicht bereit einen eigenen Tropfen Blutes, und sei es nur eine eingeschlagene Nase oder dergleichen, weder für die Palästinenser, ebenso nicht für den Staat Israel zu riskieren.

 

  Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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