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Wettbewerbstexte als Demonstration gegen deutsche Kriegsbeteiligung

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Hanns Schneider: Friedliches Landleben

 Die Sirene auf dem Dachfirst des Braml-Bauern nervte. Sie scheuchte, im Ton auf- und niederschwellend, die Dorfbewohner aus ihren Federbetten. Frauen, Kinder und alte Männer – die männliche Jugend war an der Front – hasteten dem Dorfrand zu, wo französische Gefangene am Abhang hinunter zur Traun einen tiefen Stollen gegraben hatten. Nur die 88-jährige Theres blieb auf ihrer Kammer: „Was soll denn mir scho no passiern?“
Zusammengekauert und schläfrig hockten Jung und Alt auf Holzbänken, bis die Bomber-verbände den Chiemgau überflogen hatten. Entwarnung! Müde trottete die Schar mit ihren Koffern und Rucksäcken zu ihren Höfen zurück.
Ein paar Tage später kreisten Flugzeuge mit Sternen am Rumpf am wolkenlosen Himmel. Die warfen Stanniolstreifen ab: Die in 200 Meter Luftlinie vom Dorf entfernt liegende Radar-schüssel sollte geblendet werden. Die Silberstreifen waren untermischt mit Flugblättern, die Hitler und Konsorten zu Verbrechern erklärten. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, den Widerstand aufzugeben, denn der Krieg sei für Deutschland verloren.
Die Bomberpulks folgten in größerer Dichte, bald schon am helllichten Tag, manchmal bis zu 500 Maschinen in geometrischer Formation. Die Aluminiumhaut der Flugzeuge glänzte im Sonnenlicht, hinter sich zogen sie weiße Kondensstreifen her, die breiter und breiter wurden. Schoss die Flak über dem Chiemsee einen Bomber ab, der dann mit einem singenden, stetig höher werdenden Ton abschmierte, kam Freude auf. Wurde aber auch höchste Zeit.
Nachts dann, wieder auf der Flucht in den Bunker, sah man München brennen und glühen, fast so rötlich-schön wie ein Sonnenuntergang vor Santorin.
Nach den Bombern kamen die Jäger, sie überflogen zum Greifen nah Dorf und Flur, es blieb kaum Zeit, sich auf dem Schulweg nach Nußdorf auf den Boden zu werfen. Angsthase Hans schmiss sich zu heftig in die horizontale Lage, die Schiefertafel im Ranzen zerbrach, für das Fräulein Lehrer ein ausreichender Grund für zehn Tatzen Extraration. Im Winter warfen sich die Kinder Leintücher über und verharrten in der Ackerfurche, bis der Spuk vorbei war. Hin und wieder wurde der Zug Trostberg - Traunstein unter Feuer genommen. Die Fahrgäste flohen Hals über Kopf in den nahen Wald. Als sie daraus wieder hervorkamen, waren die Waggons durchlöchert wie ein Sieb. Der Lokführer lag tot neben dem Heizkessel.
Manfred, kaum zwölf Jahre alt, wurde beim Schafe hüten von mehreren Kugeln hingemäht. Aufgebahrt in der guten Stube des Bauernhofes, sah er aus wie ein Engel von Bernini. Die Einschüsse wurden von seinem dunklen Firmungsanzug verdeckt.
Die Nachbarin zur Linken, die Witwe Zepf, hatte bereits zwei Söhne an der Ostfront verloren. Der dritte Sohn, der Sepp, kurierte im Lazarett in Bad Empfing einen Bauchschuss aus. Sein jüngerer Bruder wollte ihn zum Wochenende abholen und stürzte auf der B304 mit dem Bulldog die Böschung hinab. Da wollte auch der Sepp nicht mehr leben.
Der Krieg neigte sich im Frühjahr dem Ende zu. Im Dorf versteckte sich der Adjutant des Führers, dessen junge Familie ein Austragshäuschen beim Schroll-Wirt bewohnte. Es ging das Gerücht um, die Bewohner hätten beschlossen, ihn mit der Mistgabel zu erstechen, weil er mit seinem Schwager den Weiler verteidigen wollte. In letzter Sekunde rettete er sich in das Lazarett, wo ihn die Amerikaner verhafteten.
Nach dem Krieg allenthalben Chaos, Hunger und Verzweiflung. Das Barackenlager der Radarstation wurde bis auf den letzten Nagel geplündert. Marodierende Banden zogen übers Land. Der Schroth-Bauer schützte sein Anwesen mit einem elektrischen Zaun. Sein ältester Sohn wollte den Weg von der Arbeit abkürzen, blieb am Zaun hängen und verschmorte zu einem kleinen Bündel.
Die Amerikaner zogen im Barackenlager von den Nazis verschleppte Osteuropäer zusammen. Das Trinkwasser für diese Geschundenen holten sie am Hydranten mit auf den Kampfpanzern verstauten Kanistern. Einer fuhr den Hydranten um: eine riesige Fontäne schoss in die Luft. War das für die Kinder eine Gaudi!
Nach ein paar Wochen ging die Schule wieder los. Die Lehrer, die ihren Schülern zuvor Hitlers Parolen eingeimpft hatten: hart wie Kruppstahl, flink wie die Windhunde, waren wieder dieselben. Auch eine Art Kontinuität!
Dann die erste Fahrt mit dem Zug nach Traunstein. An einem Gleis hielt ein britischer Truppentransporter nach Wien. Ein Tommy hielt aus dem Fenster einem auf dem Perron stehenden Schüler einen goldgelben Apfel hin. Der nahm ihn und warf ihn dann weit ausholend und im hohen Bogen auf das vorspringende Bahnhofsdach. Dort liegt er aller Voraussicht nach heute noch.

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.
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