Wettbewerbstexte als Demonstration gegen deutsche Kriegsbeteiligung
Einst zog ich hinaus, zu besiegen den Feind,
mit Schläue und Tücke, gar listig, gewandt.
Den Sieg stets vor Augen, im Mute vereint,
mit tapferen Männern, die lieben ihr Land;
sollten des Teufels Macht dort zerbrechen.
Das Böse zerschlagen mit kraftvoller Hand,
Fremde erschießen, erschlagen, erstechen.
Das Recht war unser, so macht man uns glauben,
den Tod der Gefallenen blutig rächen.
Allmählich hasst ich das Schlachten und Rauben,
begriff, dass mein Gegner ein Mensch doch auch war.
Kein edler Sinn war heraus mehr zu klauben;
fand nur noch Entsetzen, Verzweiflung, Gefahr.
Ich wollte nur fort, doch ich war gebunden,
war umgeben vom Schweigen der Leichen Schar.
Ich roch das Grauen, Verwesung und Wunden,
und doch kämpft´ ich weiter, denn ich war ein Held.
Mein Leib war gequält, die Seele geschunden.
Ich sage es ehrlich, ich braucht´ auch das Geld
für Heim und Familie. Ich tu, was ich kann.
Seid Freude und Trost mir im Wahnsinn der Welt.
Mit Euch alles Glück ich im Leben gewann.
Doch kann ich die Uhr zurück nicht mehr drehen,
muss tragen die Schuld wie ein wirklicher Mann.
Noch einmal möch´ ich, ach Mutter, Dich sehen,
fern ab von den tapferen Kampfgenossen,
mit Dir durch den heimischen Garten gehen.
Hilf Gott! Wir werden gerade beschossen.
Kein Erbarmen, noch Gnade im Hinterhalt.
Granatenfeuer! Viel Blut ist geflossen.
Mehr tot als lebendig, nur schnell in den Wald.
Leiber, zerfetzte, Geschrei und Gedärme:
der Tod greift nach uns jetzt, ist grausam, ist kalt.
Hier liegen wir nun in des Tages Wärme,
mit zerschlagenen Gliedern, vorbei die Qual;
umgeben von tanzenden Mückenschwärmen.
Starben als Held, wie das Gesetz es befahl;
von Euch aufgeschrieben, Ihr Männer der Macht.
Liegen einsam in Särgen im Trauersaal.
Man lobt unsre Taten, die wir einst vollbracht.
Auch nennt man uns tapfer und voller Streben.
Wir wurden zu Tätern und Opfern gemacht.
Ihr alle seid reich, denn Ihr dürft noch leben.
Ich war ein Narr, bin gestorben für Ehre.
Vergesst mich nicht ganz! Mög´ Gott mir vergeben!
Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.