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Wettbewerbstexte als Demonstration gegen deutsche Kriegsbeteiligung

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Werner Vogel: Die letzte Geschichte

 Die letzte Geschichte beginnt nicht mit „Es war einmal …“. Sie ist gereinigt von Feen und Hexen, Helden und Verrätern, Göttern und Dämonen. Es ist einzig und allein die wahre Geschichte der Wolke, die einmal im Jahr über das Dorf zieht.

  Ihr Kommen wird von den zuständigen Wissenschaftlern, die wegen dieser Fähigkeit großes Ansehen in der Gemeinschaft genießen, auf die Stunde genau vorausberechnet. Ist es so weit, wird der Wolke das gesündeste Kind geopfert. Keinem Gott, nein, nur ihr, der Wolke, der puren Wahrheit und der Erinnerung daran. Der mit der lautesten Stimme erzählt dann über dem Leichnam kniend die letzte Geschichte, das Gesicht dem verdunkelten Himmel zugewandt als Zeichen dafür, dass keine Silbe davon jemals in Vergessenheit geraten wird.

Ist es ein gutes Jahr und ist die Wolke vorbeigezogen, ohne ihre tödliche Schwärze abzuwerfen, feiern sie ein wildes Fest. Sie verleugnen ihre Beulen und Deformierungen, putzen ihre Perücken und Zahnprothesen auf Hochglanz, öffnen johlend wertvolle, uralte Dosen, die mit alkoholischen Getränken gefüllt sind, tanzen humpelnd um die Lagerfeuer. Manchmal müssen sie dabei sogar lachen. Nur Geschichten werden nicht erzählt, auch keine Träume.

Erst spät in der Nacht, wenn die letzten Fackeln erloschen sind, flüstern sich einige in ihren Hütten verstohlen zu, dass die Wolke heuer doch wohl ein wenig kleiner gewesen sei als letztes Jahr, und ein wenig heller. Und manche werden wieder kurze Zeit Paare, schmiegen sich aneinander, vergessen ihre Schmerzen und versuchen inmitten der Kälte und der Finsternis neues Leben zu zeugen.

Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

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