Als ich zum ersten Mal diesem Jungen begegnete, war er vielleicht so um die sieben oder acht Jahre alt. Eigentlich kann man sagen, er war so um die sieben oder acht Jahre jung, denn von Alter ist in seinem Fall wohl noch kaum zu sprechen gewesen. Er hatte auch einen Namen, den ich bis heute nicht vergessen werde, der jedoch hier nichts zur Sache tut. Ich erinnere mich noch, dass ich damals sehr viel Kaffee trank und dass der Junge mich bei unserer ersten Begegnung ermahnte, nicht so viel Kaffee zu trinken, weil das ungesund sei. Ich antwortete ihm damals, ich würde auf ihn hören und dachte mir insgeheim: „Was für ein vorlautes Bürschchen…“ Und ich rechnete auch nicht damit, dass dies nur die erste von vielen Begegnungen zwischen uns sein würde. Ich dachte mir vielmals: „Einmal sehe ich diesen Jungen, - und dann nie wieder…“ Doch dem war nicht so. Ich sah ihn das zweite Mal, als ich in einer Taverne saß – oder wie auch immer man das nennen sollte. Viel eher war es eine einfache Bierschenke. Die zu alledem auch noch ziemlich herunter gewirtschaftet war.
„Friede!“, sagte der Junge – und es klang wie das englische Wort dafür. Aber für meine Ohren war es meine Muttersprache. Der Raum schien mit einem Mal ein wenig zu vibrieren und ich spürte einen leisen Luftzug, von dem ich nicht wusste, woher er kam, denn die Tür und alle Fenster waren geschlossen. Nur dieser kleine, vorlaute Bengel stand da neben mir am Tresen und hob wie zum Triumph zwei Finger in die Luft. Er zeigte das Siegeszeichen.
“Friede!“, sagte er noch einmal und ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Eben erst hatte ich an all die Leute gedacht, die ich hasste und denen ich noch eins auswischen wollte. Und da stand auf einmal dieser Junge und lachte so unverschämt schön. Ich bekam unvermittelt eine Gänsehaut und wandte mein Gesicht ab. Doch als hätte ich das lieber nicht getan, war der Junge verschwunden, als ich mein Gesicht der Stelle, wo er gestanden hatte, wieder zudrehte.
Ich schlage diesen Text als Friedenstext des Monats vor.