Wettbewerbstexte als Demonstration gegen deutsche Kriegsbeteiligung
Hier ist es so still. Keine Bomben. Mein Fenster steht offen. Ich atme. Luft. Sommerluft. Warm, etwas staubig. Der Himmel ist purpur. An den Rändern. Über mir schwarz. Wie die Nacht.
Ich lehne mich vor, übers Fensterbrett, und spähe in den Hof. Trotz Höhenangst. Ein Innenhof, ohne Bäume. Nur wer ganz oben wohnt, unter dem Dach, kann ein Stück des Horizonts sehen. Ich...
Hier unten viele Fenster, nur drei erleuchtet. Ein Kind weint leise. Oder lacht? Ein Fernseher brummt. Meiner nicht, der ist aus. Dann wieder Stille. Totenstille. Aber keine Bomben. Kein Weinen, keine Schreie mehr! Kein Geruch nach verbranntem Fleisch. Gefühlt, nicht gerochen. Wenigstens das.
Ein Film. Nur ein Film! Die Angst kribbelt mir noch im Nacken, krümmt sich den Rücken hinunter, die Wirbelsäule, wie eine Zecke, eklig dick, die unter die Haut geht, die ich nicht abschütteln kann. Meine Hände sind zu ungelenk. Aneinander gebunden.
Ein Film. Nur ein Film. Der Wahrheit so nah. Passiert ganz weit weg. Dort, nicht hier.
Ich?
Einsam. In dieser großen Stadt, die so schön sein könnte und es manchmal auch ist. Manchmal nicht. Nur groß ist sie immer.
Und niemand da, den ich anrufen könnte.
Großstadtstille im leeren Zimmer. Ich darin. Irgendwie. Kein Fliegeralarm, keine hässlichen Fratzen, die aneinander zerren, lügen, schreien oder gegenseitig um ihr Leben rennen.
Den Impuls unterdrückend, das Fernsehkabel aus der Dose zu zerren und alles aus dem Fenster zu werfen... - Ich brauche ihn noch. Den Fernseher. Mich? - schließe ich die Augen, das Fenster und werde versuchen, zu schlafen. Ein wenig. Jetzt. Hier. Nur anderswo...