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Die Friedensautoren mit Texten

16. September 2008 2 16 /09 /September /2008 10:47

die alte Dame mit dem freundlichen Gesicht, auf dem sich trotz ihren hohen Alters kaum Falten zeigen, tippelt langsam zu dem nahe gelegenen Stadtpark - zu ihrer Bank wie all die Jahre, die sie nun schon hier lebt.

Sie setzt sich so, dass die nun schon bleiche Herbstsonne noch einmal ihr Gesicht wärmt – das tut so gut. Ihr kleines Zimmer am Rande der Stadt ist in diesen Zeiten zu kalt und das kleine Fenster lässt wenig Helligkeit in den Raum.

Aus der alten Handtasche nimmt sie die Tüte mit den Brotkrumen und wirft sie den Vögeln hin. Eifrig kommen sie – kleine, dünne und dicke sowie Tauben und Enten. Sie mischen sich flugs unter sie. Das ist ein Piepen und Schnattern zur Freude der alten Frau. Währenddessen kaut auch sie an ihrem mitgebrachten Butterbrot, hier in Gesellschaft schmeckt es ihr besser, als allein zu Hause. Die rote Thermoskanne mit dem heissen Tee steht neben ihr auf der Bank.

In der letzten Zeit geht es ihr nicht so gut, vermehrt auftretende Schwindelanfälle machen ihr Probleme, doch bei dem Hausarzt, den sie seit Jahren kennt, ist es nun immer so voll und er redet ihr zwar gut zu, doch helfen kann er nicht und wenn er ihr schon einmal etwas aufschreibt, kann sie es eh nicht in der Apotheke einlösen, weil sie das Geld nicht dafür übrig hat von der geringen Rente. Und so begnügt sie sich und freut sich, dass sie es wenigstens noch bis zu der alten Parkbank schafft - zu ihrem Platz! Beim Arzt lächelt sie immer tapfer und sagt: "Es geht schon Herr Doktor, man wird eben alt" und er lächelte zurück. Ein Lächeln für den Tag – wenn auch hingeworfen ohne wirkliche innere Anteilnahme von ihm.

Plötzlich wird sie aus den Gedanken gerissen. Es gröhlt und lärmt aus den Büschen, nicht weit weg von ihr. Eine Horde Männer schreit und johlt in der morgendlichen, noch stillen Parkanlage. Sie steckt ihre restlichen Brotstücke ein und will ihre Thermoskanne an sich nehmen, als sie wie aus dem Nichts vor sich Männerbeine in schwarzen Hosen stehen sieht, darunter lange dünne Springerstiefel – oh – wie sie die kennt ….

Unverhofft trifft sie ein Hieb am Kopf, während eine raue Stimme Parolen singt, dann wird ihr schlecht. Als Letztes sieht sie im Fallen noch den blauen Himmel über sich und schnell vorüber ziehende Wolkenfetzen.

In den Nachrichten tags darauf wird es am Rande erwähnt: "Gestern früh wurde eine alte Frau – unbekannt - im Stadtpark überfallen und übel zugerichtet. Sie verstarb noch während des Transportes zum Krankenhaus."

Spielende Kinder finden später hinter der Bank die rote Thermoskanne, zertreten und zerbeult, neben einer leeren Tüte mit Brotkrumen. Ein paar Spatzen sitzen darauf und pieken daran herum. Merkwürdig, sie fliegen nicht weg, als sich die Kinder nähern - so, als würden sie auf jemanden warten ….


Ich schlage diesen Text vor als Friedenstext des Monats.

 

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Published by Slov ant Gali eingestellt
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