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Die Friedensautoren mit Texten

9. Oktober 2008 4 09 /10 /Oktober /2008 15:38

„Schnell, kommt, es gibt ein Problem!“, rief ein Beamter. Der König runzelte verärgert die Stirn. So respektlos wurde er doch sonst nicht angeredet!

„Was ist denn?“, fragte er deshalb unwirsch und folgte ihm. Der Beamte ging in den Konferenzraum. Zu der Verwunderung des Königs waren alle wichtigen Generäle versammelt. Würdevoll nickte er ihnen zu und setzte sich an das Ende des Tisches.

„Warum habt ihr euch alle hier zusammengefunden?“, wollte er dann wissen.

„Nun, aus zuverlässigen Quellen wissen wir, dass das Volk einen Aufstand plant und noch heute das gesamte Regierungsanwesen stürmen will.“ Schweigen am Tisch.

„Gibt es Anzeichen dafür, dass das wirklich fest geplant ist?“ Einer der Generäle erhob sich. „Nun, in der Stadt gibt es schon den ganzen Tag Protestmärsche, die Menge ist sehr aggressiv, vor allem gegen Amtspersonen und sie haben es schon angekündigt!“ Der König schwieg wieder.

„Hoheit… wie sollen wir reagieren, wenn sie es schaffen, das Tor zu durchbrechen?“, fragte er General irgendwann.

„Dann befehlt ihr den Soldaten, dass sie auf sie schießen. Wer gegen den König ist, ist gegen sein eigenes Land und solche Menschen verdienen das Leben ohnehin nicht!“ Dann sah er die Gesichter der Generäle an. Keiner sagte etwas, es war, als hielten sie die Luft an. Und sie sahen doch ein bisschen geschockt aus, auch wenn sie sich wohl Mühe gaben, damit er es ihnen nicht ansah. Dann standen sie auf. Der König blieb grübelnd sitzen und sah sich im Zimmer um. Er starrte die Wand an, die Uhr, hörte ihr Ticken, las die Titel der Bücher im Schrank. Aber er stand nicht auf, drehte sich nicht um. Kurz darauf hörte er schon den Lärm, Schreie, und kurz darauf Schüsse, aber er drehte sich nicht um. Durch das Fenster hinter ihm würde er alles sehen. Schreie konnte er ausblenden, Bilder nicht. Er starrte die Wand an, während hinter ihm weiter Schreie und Schüsse zu hören waren. Von wem sie waren? Er wusste es nicht. Er saß nur die ganze Zeit wie festgenagelt auf seinem Stuhl, als wäre es das wichtigste überhaupt.

Nachdem sich der Aufruhr gelegt hatte, stand der König auf dem Balkon des Regierungsgebäudes und sah über den riesigen Platz. Überall Tote. Alle Menschen, die gewaltsam in den Hof vorgedrungen waren, waren von seinem Militär ohne Probleme niedergeschlagen und getötet worden. Der König schüttelte den Kopf. Ohne Probleme nicht, stellte er fest, als er auch einige seiner Soldaten am Boden liegen sah. Ein großer Schmerz machte sich darauf in seinem Inneren breit. Sie waren seine treuen Soldaten gewesen und hatten für ihn gekämpft, sie waren für ihn gestorben. Der König glaubte, unter der Last dieser Verantwortung zusammenzubrechen. Doch er riss sich zusammen. Schließlich hatte er ein Land zu führen. Das sich nur leider gegen ihn stellte.

Da hörte er Schritte, die sich ihm näherten, aber er drehte sich nicht um.

„Wenn das so weitergeht, bist du zwar uneingeschränkte Herrscher dieses Landes, aber ohne Volk, weil dieses bald restlos vernichtet sein wird, wenn du nicht endlich etwas änderst, Vater!“ Der König stieß Luft aus. Niemand von seinen Beratern würde es sich erlauben, ihn so hart zu kritisieren.

„Willst du nicht, dass die Monarchie weiterbesteht, damit du mein Nachfolger werden kannst?“, fragte er dann.

„Nicht unter diesen Umständen. Jede Art von Regierung sollte den Menschen helfen und sie nicht brutal ausmetzeln, bloß, weil sie es wagen, endlich etwas gegen ihre Armut zu unternehmen! Du musst endlich etwas ändern!“

Der König schwieg, aber sein Sohn ging nicht weg.

„Was wirst du also machen, Vater? Was wirst du machen, wenn die nächsten kommen? Denn sie kommen bestimmt noch einmal, jetzt, wo sie endlich den Mut dazu haben! Was wirst du also tun?“

Da erst drehte sich der König um. Ja, was würde er tun? Er hatte keine Ahnung.

„Was würdest du tun?“, fragte er dann seinen Sohn.


Ich schlage diesen Text als Friedenstext des Monats vor.

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Published by Slov ant Gali eingestellt
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