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Die Friedensautoren mit Texten

10. Oktober 2008 5 10 /10 /Oktober /2008 09:44

  Noah saß des Morgens

bei seinem Marmeladenbrote,

die Wespen

knirschten

auf seinen Zähnen,

und er entsann sich der Sintflut,

als er versäumt hatte,

das eine einzige Wespennest zu ver– ,

hm,

er mochte es nicht zuende denken.

 

Sorgsam zermalmt er

eine große Wespe

zwischen seinen Schneidezähnen

die Lippen schürzend

schützend

fast innehaltend,

sinnierend

alarmbereit

Groll balancierend

suchend.

 

Wie war das

Im alten Gestern

an der Arche

beim Wespennest in der Abendsonne?

Noah hatte den groben Ast

in der Hand

noch Mal fester genommen;

das wär’ schon was,

einfach so

plumps in die Flut,

wisch und weg.

 

Aber?

 

Also

die Hornissen, die waren

gestern spontan dafür,

morgen sodann mehr so

versonnen besinnlich

na eben dagegen.

 

Gedankenschwerfällig

führt Noah sein Brot zum Mund,

verträumt,

da entflammt Stachelgift im Gaumen

panikmeinungsbildend –

Ach!

Zuschlagen hätte ich sollen

damals,

zuerst,

ich meine so –

unser aller

Morgen befreiend.

 

Flammend die Wespenwut,

im ewigen Heute

in die Zunge stechend

die sie hinauswirft,

ganz und gar und grob hinaus.

Noah spürt

ihr Weiter-Wespe-sein-wollen

und ihr Ich-weiß-schon-wie:

Morgen bin ich schneller,

ja ich Wespe,

und mit mir jede von uns

im Wespennest

und misstrauischer

gewaltiger,

von morgen an

dann jeden Morgen

Du-wirst-schon-sehen!

 

Ach nein, so nicht“,

an den Ohren von beiden,

flüstern die Schutzengel

bemüht, bemühend,

vom sich finden

im einig Paradies.

War es

für Morgen

Äonen zu früh?

Können wir denn schon

uns nahe sein,

ein gemeinsames

Morgen wollen?

 

8000 Jahre später

trifft man sich wieder

im gentechnischen Labor

im Heute

wie unzählige Morgen

sieht sich durchs Mikroskop

nahe wie nie zuvor

paniknahe

und Noah schaut nach unten

auf die Wespe,

sie schaut rauf.

 

Gentechnisch zahme Wespe

mit Minigiftstachel

zögernd

hat eine Fliege gestochen

keine Beute gemacht,

kann die Brut nicht füttern;

das war gentechnisch

doch gestern

für alle Morgen

gar nicht so angedacht

und nun?

Verlegene Aggression,

meine, unsere

passt alles nirgends.

 

Der Stich

in die Pinzette

verlegen auch,

bringt nichts;

Vier Augen blicken

durchs Mikroskop

rauf und runter:

Friss mich nicht!“

Mach ich doch gar nicht!“

 

So leiden beide

in monotonigen Morgen

und gemeinsam spüren sie

einen Hauch von

Ach-wüssten-wir-noch,

oder wieder

wie vor Jahrmillionen,

wer wir

wie wir,

im Miteinander

sein durften.
                                                                                Illustration: Sabine Kaemmel
      

Ich schlage diesen Text als Friedenstext des Monats vor. 

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Published by Slov ant Gali eingestellt
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